Nos Adieux

Blog Entropy, Barbara Rieger, Alain Barbero, Martin Peichl, Café Dezentral, Kaffeehaus, Wien, Vienne

Foto: Alain Barbero 2017 (Café Dezentral)

Am 16.2.18, 20:00 liest Martin Peichl gemeinsam mit Barbara Rieger und Lara Ritter im Café Dezentral


(misslungene Annährung an ein Motiv)

Eine Stricherl-Liste hineingemalt in Mayröckers Abschiede. 4 Bier. Ein Abend im Dezentral. Du irgendwo im Regen. Auf meiner To-do-Liste steht „Reigen lesen“, gleich darunter „Reigen schreiben“. Da treibt ein Haar von dir in meinem letzten Schluck, aber das bilde ich mir nur ein.

Ich schreibe eine neue Liste über eingebildete und tatsächliche Abschiede, direkt neben die Stricherl-Liste. 4 Bier, 2 Averna Sour. Auf einen Bierdeckel notiere ich (in deiner Handschrift): Es ist Wahnsinn, einen Roman zu schreiben. Ein Abend im Dezentral. Du regnest im Windfang.

Martin Peichl 2018


(approche manquée)

Un décompte griffonné dans le recueil Abschiede de Mayröcker. 4 bières. Une soirée au Dezentral. Toi, quelque part sous la pluie. Sur ma liste des choses à faire, « lire La Ronde », juste en-dessous « écrire La Ronde ». Alors l’un de tes cheveux glisse dans ma dernière gorgée, mais ce n’est que mon imagination.

J’écris une nouvelle liste avec les adieux imaginaires et réels, juste à côté du décompte. 4 bières, 2 Averna Sour. Sur un sous-bock je note (avec ton écriture) : c’est fou d’écrire un roman. Une soirée au Dezentral. Toi, pleuvant dans le sas d’entrée.

Traduction Sylvie Barbero-Vibet 2018


(unsuccessful overtures to a motif)

A tally doodled into Mayröcker’s Abschiede. 4 pints. An evening at Café Dezentral. You, somewhere in the rain. On my list of things to do: “read La Ronde“, and just below: “write La Ronde“. And then one of your hairs is drifting in my last sip, but of course I’m only imagining things.

I start a new tally of real and imagined goodbyes, right next to the checkmarks of the first one. 4 pints, two Averna Sour. On a beer mat (in your handwriting), I note: Writing a novel is crazy. An evening at Café Dezentral. You, raining in the breezeway.

English version: Anna Robinigg 2018

 

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Exploration

Blog Entropy, Barbara Rieger, Alain Barbero, Claudia Dabringer, DON Espresso Bar, Cafés Viennois, Kaffeehaus, Wien, Vienne

Foto: Alain Barbero 2017 (DON Espresso Bar)

Weg von den Sprachen und Farben,
von den Klängen und Durchsagen

Eintauchen
den Löffel in den Kaffee
den Kopfhörer ins Ohr
den Stift ins Papier

Während die anderen auf dem Weg sind
ruhen
rasten
reflektieren

Und dann wieder aufbrechen

Eintauchen
in den Strom
in die Menschen
in die Reise

Hin zu dem, was Leben bedeutet.

Claudia Dabringer 2018

Se détacher des langues et des couleurs,
des sons et des annonces

Plonger
la cuillère dans le café
l’écouteur dans l’oreille
le crayon dans le papier

Alors que les autres sont en route
se reposer
se relaxer
réfléchir

Et puis repartir

Plonger
dans le courant
dans la foule
dans le voyage

Vers ce qui incarne la vie.

Traduction Sylvie Barbero-Vibet 2018

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Melange der Poesie – mit Erik Tenzler im Anno

Blog Entropy, Barbara Rieger, Alain Barbero, Erik Tenzler, Café Anno, Cafés Viennois, Kaffeehaus, Wien, Vienne, Melange der Poesie

Foto: Alain Barbero 2016 (Café Anno)

Am 20.1.18, 19:00 tritt Erik Tenzler mit seiner Band Twins in Colour im Rahmen einer Buchvorstellung in der Moserei in Scharnstein auf.
Am 21.01.18, 20:00 liest Erik Tenzler im Rahmen einer Buchvorstellung gemeinsam mit Katharina Johanna Ferner und Barbara Rieger beim Anno Literatur Sonntag.


Am Strand der fabelhaften Welt der Anämie
bedeckt mit frisch bezogenen Lebensläufen
im Schlund das Strickzeug und die allerletzten Wolken
Gewebeproben, die Gewebe proben wollten
und schlafen mit dem Nicht-für-Immer
schlafen mit der Couch
schlafen mit dem Stream
schlafen mit dem Frauentausch
schlafen mit den Träumata
schlafen mit der Übrigkeit
schlafen mit sich selber
schlafen mit dem Life.
Schlafen.

Erik Tenzler 2017


Sur la plage du monde fabuleux de l’anémie
couverte de CV fraîchement mis à jour
dans la gorge, le tricot et les tout derniers nuages
des échantillons de tissus qui voulaient échantillonner des tissus
et dormir avec l’histoire d’une nuit
dormir avec le canapé
dormir avec le courant
dormir avec la femme échangée
dormir avec la projection d’un rêve
dormir avec soi-même
dormir avec la vie.
Dormir.

Traduction Sylvie Barbero-Vibet 2017


At the beach of the fabulous life of anemia
overcast with freshly changed résumés
the knitting gear and the very last clouds in the throat
tissue samples desiring to rehearse tissue
and to sleep with the not-forever
sleep with the couch
sleep with the stream
sleep with the wife swapping
sleep with the dreamata
sleep with the remainder
sleep with oneself
sleep with Life.
Sleep.

English version: Anna Robinigg 2017


Kurzinterview mit dem Autor Erik Tenzler
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Marie

Blog Entropy, Barbara Rieger, Alain Barbero, Cäcilia Then, Tanzcafé Jenseits, Marie in mir, Cafés Viennois, Kaffeehaus, Wien, Vienne

Foto: Alain Barbero 2015 (Tanzcafé Jenseits)

Sie und ich auf der Suche nach dem Ort mit der richtigen Musik, dem Lokal mit der richtigen Stimmung, dem Mann mit dem richtigen Versprechen. Ich muss mich nur umdrehen, schon ist er da. Ich bin überflüssig, doch ich folge ihnen bergauf und bergab, vorbei am Geruch von Gras und Pisse und den Abgasen der Autos, hinein in die nächstbeste Bar. Ob ich die bessere Hälfte sei, fragt mich der Typ und bestellt mir einen doppelten Wodka. Wie man’s nimmt, sage ich. Wir nehmen, was wir kriegen können, sagt Marie.

Barbara Rieger, 2017 (Auszug aus “Marie”)


Elle et moi, à la recherche de l’endroit avec la bonne musique, du bar avec la bonne ambiance, de l’homme avec la bonne promesse. Je n’ai qu’à me retourner, et le type est là. Je ne suis pas indispensable, mais je les suis par monts et par vaux, à travers l’odeur de l’herbe et de la pisse, et des gaz d’échappement, avant de rentrer dans le prochain bar. Le type me demande si je suis la meilleure moitié, et me commande une double vodka. Je réponds que ça dépend comment on voit les choses. Nous prenons ce que nous pouvons avoir, dit Marie.

Barbara Rieger, 2017 (extrait de « Marie »)

Traduction Sylvie Barbero-Vibet 2017


Her and me, looking for the place with the right music, the location with the right atmosphere, the man with the right promise. I have barely turned around and he has turned up. They have no need of me, but I follow them uphill and downhill, past the smell of grass and piss and exhaust fumes, into the next bar. Are you the better half, the guy asks me, and orders a double vodka for me. That depends, I say, whatever. We take whatever we can get, says Marie.

Barbara Rieger, 2017 (from “Marie”)

English version: Anna Robinigg 2017

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Melange der Poesie – mit Friederike Mayröcker

Blog Entropy, Barbara Rieger, Alain Barbero, Friederike Mayröcker, Café Sperl, Cafés Viennois, Kaffeehaus, Wien, Vienne, Melange der Poesie

Foto: Alain Barbero 2017 (Café Sperl)

Am 8.11.17, 19:00 liest Friederike Mayröcker im Rahmen einer Buchvorstellung gemeinsam mit Marlen Schachinger & Petra Hartlieb im Café Korb

im Salettl = Café : ich sollte meine Blicke ins frz.Objektiv richten, der Rahmen für das Foto sollte die braune Holztäfelung hinter mir, sein : fragwuürdige Gloriole : also dasz ich thronen sollte
was mir nicht behagte. Ich schaute lieber nach links ins aufgeschlagene NZZ-Journal um mich nicht auszusetzen FRONTAL, also tauchte nach links in die Zeitungsblätter ……. endlich
die blassen Hände auf dem Marmortisch, las dasz Heiner Muüller das Dramolett „Herzstück“ auf ein Fetzchen Papier,gekritzelt hatte, um es hinüberzuschwenken zum Regisseur, usw.,

ach ein Sträuszchen welkender, Mimosen am Nachbartisch, das opus tränenreich,

Friederike Mayröcker 2017


At the Salettl = café: I was to direct my gaze at the French lens, the brown wood paneling behind me supposed, to be the picture frame: questionable gloriole: meaning that I should sit in state which was not entirely to my liking. Preferred looking left at the open NZZ Journal so as not to expose myself HEAD-ON, so dived left into the newspaper sheets ……. the pale hands finally on the marble table, reading that Heiner Müller had scribbled his playlet “Herzstück” on a scrap, of paper, to flourish it towards the director etc.,

and oh, a posy of withering, mimosas on the neighboring table, the opus tearful,

English version: Anna Robinigg 2017

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Melange der Poesie – mit Marlen Schachinger im Korb

Blog Entropy, Barbara Rieger, Alain Barbero, Marlen Schachinger, Café Korb, Cafés Viennois, Kaffeehaus, Wien, Vienne, Melange der Poesie

Foto: Alain Barbero 2016 (Café Korb)

Am 8.11.17, 19:00 liest Marlen Schachinger im Rahmen einer Buchvorstellung gemeinsam mit Friederike Mayröcker & Petra Hartlieb im Café Korb

Der Blick soll schweifen können, bis er sich festhaken mag, und hierfür ist das Wiener Kaffeehaus der ideale Ort. Neben dem großen Schwarzen serviert der Kellner auch seinen augenzwinkernden Grant am Silbertablett, stets begleitet von einem Glas Wasser. Er wird meine Arbeit nicht stören, bis ich ihn, nachdem er angeschlendert gekommen ist, um einen Einspänner bitte, er lässt mir Zeit. Nicht nur dem Kaffee der Fiaker-Kutscher gewährte die Schlagobershaube einst nachhaltige Wärme, sondern auch mir während meiner Arbeit: wahrnehmen, nachdenken, den Menschen auf den Mund schauen, notieren …

Marlen Schachinger 2017


Le regard doit pouvoir glisser, jusqu’à ce qu’il ait envie de se fixer, et le café viennois est le lieu idéal. En complément du grand café noir, le serveur sert également sur le plateau argenté son clin d’œil agacé, toujours accompagné d’un verre d’eau. Il ne me dérangera pas dans mon activité, jusqu’à ce que, une fois arrivé jusqu’à moi, je lui commande un café viennois. Il me laisse le temps. La chantilly posée sur le café le protège du froid, tout comme moi pendant mon travail: saisir, réfléchir, lire sur les lèvres des gens, noter…

Traduction Sylvie Barbero-Vibet 2017


Letting your gaze wander until it is compelled to rest on something. For that, the Viennese café is the ideal place. With the black coffee, the waiter also hands you his bad mood on a silver platter, with a wink, always accompanied by a glass of water. He won’t disturb my work, until I, after he has strolled by, ask him for a Viennese coffee, he takes his time. The dollop of whipped cream offered lasting warmth not only to the coachmen’s coffee, but also to me while I work: observing, reflecting, looking at people’s mouths, taking notes…

English version: Anna Robinigg 2017


Kurzinterview mit der Autorin Marlen Schachinger Continue reading

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Melange der Poesie – mit Barbara Rieger im Podium

Blog Entropy, Barbara Rieger, Alain Barbero, Podium, Cafés Viennois, Kaffeehaus, Wien, Vienne, Melange der Poesie

Foto: Alain Barbero 2017 (Podium)

im windfang

bis in auf oft auf
die couch oft wurde
meinem stammgast
leben legen

bis ich musste mich
musste mich ich ich
die couch ich legen
wurde stammgast
in meinem leben

ich in meinem
leben musste mich
bis ich stammgast
auf die couch legen
wurde leben

ich musste mich oft
auf die couch legen
bis ich wurde
in meinem leben
stammgast

Barbara Rieger 2017

Entre deux

jusque dans sur souvent sur
le canapé devint souvent
mon habitué
reposer sa vie

jusqu’à devoir moi
j’ai dû m’approprier moi
le canapé sur lequel j’étais
devint un habitué
dans ma vie

moi dans ma
vie j’ai dû
devenir habituée
m’allonger sur le canapé
prendre vie

j’ai souvent dû
m’allonger sur le canapé
jusqu’à devenir
dans ma propre vie
une habituée

Traduction Sylvie Barbero-Vibet 2017

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Melange der Poesie – mit Erika Kronabitter im Schopenhauer

Blog Entropy, Barbara Rieger, Alain Barbero, Erika Kronabitter, Café Schopenhauer, Cafés Viennois, Kaffeehaus, Wien, Vienne, Melange der Poesie

Foto: Alain Barbero 2016 (Café Schopenhauer)

versuche, meiner fremdheit zu entgehen
das herz ist eine wüste
an diesem aufgekratzten morgen
du lachst dich den wimpern entlang
mit morgenstundmund

Erika Kronabitter 2017

Am 3.11.17, 19:30 liest Erika Kronabitter im Rahmen einer Buchvorstellung mit Cäcilia Then im Café Schopenhauer


Tente d’échapper, étranger à moi-même 
Le cœur est un désert 
Ce matin-là, effervescent
Le long des cils, ton rire
Du bout des lèvres de l’aurore 

Traduction Sylvie Barbero-Vibet 2017


trying to escape my being unfamiliar
the heart a desert
this bubbly morning
along my eyelashes, your laughter
with early morning lips

English version: Anna Robinigg 2017

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Melange der Poesie – mit Karin Ivancsics im Weidinger

Blog Entropy, Barbara Rieger, Alain Barbero, Karin Ivancsics, Café Weidinger, Cafés Viennois, Kaffeehaus, Wien, Vienne, Melange der Poesie

Foto: Alain Barbero 2016 (Café Weidinger)

Vom Land mit dem Zug in die Stadt. Am Wegesrand lagern die Banditen. Durch Bahnhofshallen in Unterführungen. Aus zerfetzten Wäldern strömen die Verdammten. Razzia vor der U-Bahn-Station. Eine Handvoll Schwarzafrikaner, Kleinkriminelle, sind ins Netz gegangen. Entlang der Häuserschlucht ins Kaffeehaus. Draußen Spätsommerhitze, drinnen kühle Marmortische. „Hast du dein Notizbuch dabei?“ „Immer.“ Den Kellner anlächeln. Auf halber Strecke krepieren die meisten. In Pannenbuchten oder auf offenem Meer. Nicht in die Kamera schauen. Im Kaffee rühren. Ersoffene und Gestrandete. Die Wörter sind brutaler geworden, versandet jegliche Empathie. Über den Kopf des Fotografen hinweg sehen. Ins Blau des Himmels, im oberen Drittel des Fensters. Einfach sterben tut man anderswo. Den Löffel aus dem Kaffee nehmen, er ist kalt geworden, und den freundlichen Kellner verlegen-verzweifelt anlächeln: „Ist das Europa?“

Karin Ivancsics 2017
Der Text entstand 2016 während der Fotosession mit Alain Barbero.

Am 13.11.17, 19:00 liest Karin Ivancsics im Rahmen einer Buchvorstellung im Café Weidinger


De la campagne à la ville en train. Au bord de la route veillent les bandits. En passant par des halls de gare jusqu’aux souterrains. Des forêts dévastées affluent les damnés. Razzia devant les stations de métro. Quelques Africains et petits délinquants sont pris dans le filet. Le long des maisons jusque dans les cafés. Dehors la chaleur de l’été indien, dedans les tables fraîches en marbre. « As-tu un bloc notes avec toi ? » « Toujours ». Sourire au serveur. La plupart restent à mi chemin. Sur les bandes d’arrêt d’urgence ou en pleine mer. Ne pas regarder dans l’objectif. Remuer son café. Noyés et échoués. Les mots sont devenus plus cinglants, ignorent toute empathie. Porter son regard au-dessus de la tête du photographe. Vers le bleu du ciel, dans le tiers supérieur de la fenêtre. Mourir tout simplement n’a pas lieu d’être ici. Retirer la cuiller du café, maintenant froid, et sourire au serveur, entre gêne et désespoir : « Est-ce cela l’Europe ? »

Traduction Sylvie Barbero-Vibet 2017


From the country to the city by train. The bandits camped by the roadside. Through station halls underground. From mangled forests, a flood of the damned. Razzia in front of the subway station. A handful of Black Africans, petty criminals, arrested. Along the street canyons to the café. Late summer heat outside, cool marble tables inside. “Do you have your notebook on you?” “Always.” Smile at the waiter. Most of them croak halfway. In emergency turnouts or on the open sea. Don’t look at the camera. Stir your coffee. Wiped out and wrecked. The words more brutal nowadays, empathy gradually buried in the sand. Look past the photographer’s head. To the blue sky, in the upper third of the window. Simply dying is something that is done elsewhere. Take the spoon out of your coffee, it has turned cold, and give the friendly waiter a half embarrassed, half despairing smile: “Is this Europe?”

English version: Anna Robinigg 2017


Kurzinterview mit der Autorin Karin Ivancsics Continue reading

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Melange der Poesie – mit Robert Schindel im Prückel

Blog Entropy, Barbara Rieger, Alain Barbero, Robert Schindel, Café Prückel, Cafés Viennois, Kaffeehaus, Wien, Vienne, Melange der Poesie

Foto: Alain Barbero 2016 (Café Prückel)

Krähen

Des Winterhimmels schwarze Tränen
Beregnen das ansteigende Schneefeld
Das mir entsteht, als da ich mich zusammenräume
Und adjustiere und dann links und rechts
Die Leute grüß, bis ich mir meinen Tod zusammenträume.
Dazwischen tritt die Welt
Aus meinen Adern. Ende des Geschlechts
Von Hüttenzauberern, Palästenkriegern.
Genossen, die Genossen sind, von diesen und von jenen
Lassen fließen ihre purpurroten Tränen.
So leert der Winterhimmel sich und seine Flocken
Stürzen aus ihm, bedecken mir mein Feld
Sodass, wenn Krähen Kurs nach oben nehmen
Ich grüßend eile, um an ihnen anzudocken.

Robert Schindel 2017

Am 25.9.17, 19:00 liest Robert Schindel im Rahmen einer Buchvorstellung und Ausstellungseröffnung gemeinsam mit Marianne Gruber & Sabine Gruber in der Österreichischen Gesellschaft für Literatur.


Corneilles

Du ciel d’hiver des larmes noires
Inondent le champ de neige en expansion
Mon moi se forme alors que je me ressaisis
J’ajuste, à gauche et à droite
Je salue les gens, jusqu’à ce que ma mort m’apparaisse en songe.
Entre temps le monde
S’écoule de mes veines. Fin du genre
Des magiciens de cabane, des guerriers de palais.
Des camarades, des vrais, deci et delà,
Laissent couler leurs larmes pourpres.
Ainsi se vide le ciel d’hiver et ses flocons
S’échappent de lui, me recouvrent mon champ
De telle sorte que lorsque les corneilles prennent leur envol
Je les salue et me dépêche pour les rattraper.

Traduction Sylvie Barbero-Vibet 2017


Crows

The dark tears of winter sky
Drizzle on the rising field of snow
Forming within me, now that I am gathering,
Adjusting, and then to the left and right
Greeting the people till of my own death I dream.
In between, the world is
Seeping out of my veins. End of the line
Of shack magicians, palace warriors.
Comrades that are comrades, of this and that,
Let flow their purple tears.
Thus, the winter sky empties itself, its flakes
Plummeting, covering my field,
So that, when crows prepare to take to the air,
I hurry, greeting, to berth with them.

English version: Anna Robinigg 2017

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