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Sofie Steinfest | Strohauer’s Café Alt Heidelberg

Foto: Alain Barbero | Text: Sofie Steinfest

 

Ich als Gemälde .:. und davor .:. ein wenig lampenfiebrig .:. und ein wenig .:. meine Wirkung als Bild urbar gemacht .:. wie ein bisher unentdecktes Land .:. die Stunden kürzlich zu konkav .:. als dass ich mich darin abgebildet sehen könnte .:. hier aber .:. Friedwald inmitten Geschirr und Bohnenduft .:. Stift und Heft und Zuckerstreuer .:. als Besitztümer um mich geschart .:. nichts davon gehört mir wirklich .:. nie nur objekthaft .:. am Wiener Heimwehstift festgesaugt wie an einer letzten Zigarette .:. die Pose vermeintlich .:. Zeiten in denen ich nicht schreibe lösen Verzweiflung aus .:. verfliegen sich ins Gedächtnis der Spiegel .:. hier aber .:. wohlig tänzelnd zwischen Sprachen .:. bleibt das Missverstehen aus .:. den Luftstrom angehalten .:. se tourner vers soi .:. accueillir l’inspiration .:. durchs Glas bezeugt ein Sichtfeld insgeheim .:. Begegnung der Welt mit dem unabwendbaren .:. Schreiben im Kaffeehaus .:

innen
wo meine augen
dich kennen
ist unsere menschlichkeit
schiere idee
und jeder zwist beigelegt
bevor er entbrandet

sieh hin
urvertraut naht
ein kometenschweif
funkensprühend mitgefühl
als ein triftiger pakt
stilles gewahrsein:
fenster in der herzhaut.

 


Kurzinterview mit der Autorin

Was bedeutet Literatur für dich? 
Sofie Steinfest: Im Lesen finde ich Trost. Es ist mir der lebendige Beweis der Existenz von Seelenverwandtschaft.Im Schreiben verwandle ich im besten Fall Unbewusstes in Mitteilbares.

Welche Bedeutung haben Cafés für dich?
SS: Schreiborte, an denen ich als Wienerin in aller Welt eine vorläufige Heimat finde. Eine nämlich, die mich in keine Pflicht als die meiner schieren Anwesenheit nimmt. Ich muss sie nicht lieben, also kann ich es.

Warum hast du Strohauer’s Café Alt Heidelberg ausgewählt?
SS: Weil es durchaus in Wien sein könnte. Das hat wohl etwas mit dem Selbstverständnis dieses Kaffeehauses zu tun. Oder mit meinem inneren Wien. In meiner „Geburtsstunde der Donaustörung“ begegnen sich die Protagonistinnen über die Spiegel hier.

Was machst du, wenn du nicht im Café bist?
SS: Tja.

 

BIO

Sofie Steinfest (lyrisches Pseudonym Sofie Morin) 1972 in Wien geboren, ist nach einigen Wanderjahren über Brüssel bei Heidelberg gelandet, hat Sprachen wie Labor-Kittel angezogen und im verlöschenden Jahrtausend zwei Studien abgeschlossen, die nach Auffassung vernünftig denkender Menschen überhaupt nicht zusammenpassen. Sie war schon für etliche Literaturpreise nominiert und hat nie einen gewonnen. Bei allem publiziert sie unverdrossen in zahlreichen Literaturzeitschriften und Anthologien. In der Lyrik findet sie Zuflucht, wenn die Prosa noch gärt.

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Juliane Sophie Kayser | Café Rossi, Heidelberg

Foto: Alain Barbero | Text: Juliane Sophie Kayser

 

Fernweh

Ich schreibe deinen Namen in die Luft
Natürlich in kyrillischen Zeichen.
Dann falte ich mir
die Weltkarte
zu einem
Origami
und
lasse, die drei Länder,
die zwischen uns liegen
einfach in einem Knick verschwinden.
So nähe ich
deine Landesgrenze
an meine.
Dann klaue ich dir
ein paar Karpaten
und setze sie mir
mitten
vor das Brandenburger Tor.
Zum Trost all dessen,
was nicht sein darf.

 


Kurzinterview mit der Autorin

Was bedeutet Literatur für dich?
Juliane Sophie Kayser: Schreiben ist für mich ein bisschen wie Fliegen. Die Schwerkraft verliert ihre Macht über mich. Alles Äußere, Fremde fällt von mir ab und allein das Innere übernimmt Regie. Lesen: Die Welt vergessen dürfen einen Moment.

Welche Bedeutung haben Cafés für dich?
JSK: Zusammen ist man weniger allein, genauer anders allein. In der anregenden Stimmen – und Bildkulisse kann ich meine Gedanken wachsen hören.
Und ich beobachte gnadenlos gerne Menschen. Die Schwingungen zwischen ihnen und die Blockaden wie z.B. das Staccato ihrer Kommunikation: alles Stoff.

Warum hast du das Café Rossi ausgewählt?
JSK: Das Rossi liebe ich für sein Großstadtflair.
Und weil es  genügend Platz hat. Ich brauche immer Platz. Platz im Raum. Platz im Kopf. Wenn ich an meine Lieblingscafés denke in Wien, Warschau, Berlin, Venedig – so ist das Rossi mein Fernweh-Ort.

 


BIO

Deutsch-amerikanischer Tagträumer, Nachtschwärmer, Dichter, Künstlerbotschafter bei IJM *, Schriftsteller, Wortweltenfinder, Ehepartner, Mutter von 3 Kindern und 4 Büchern. (Wenn Else Lasker-Schüler sich Prinz von Theben nennen kann, kann ich mich auch Schriftsteller nennen, wenn meine männliche Seite gerade am Steuer sitzt.)
www.julianekayser.d * www.ijm-deutschland.de