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Adrian Kasnitz | Traumathek, Köln

Foto: Alain Barbero | Text: Adrian Kasnitz

 

„Im Raben werden Filme gezeigt“, sagte Freisenberg.
„Was für Filme?“
„Weiß nicht genau. Von Studenten der Kunsthochschule.“
„Wann denn?“
„In einer halben Stunde.“
Bender hörte es knacken. Freisenberg legte auf und rannte die Treppe hoch. Kaum hatte Bender aufgelegt, stand Freisenberg in der Tür, rief: „Bist du endlich fertig?“
Er schickte seine Gedanken zum Fenster und ließ seinen Unikram liegen, das französische Buch und die Mitschrift einer Vorlesung, die er an diesem Abend ins Reine schreiben wollte. Aber dazu würde es nicht mehr kommen.
Sie gingen geradewegs zu ihren Rädern, die vor dem Haus standen, schwangen sich auf und fuhren, ohne auf Verkehrszeichen oder Ampeln zu achten, Richtung Weiher und dann Richtung Rudolfplatz. Sie stiegen ab, ketteten die Räder an eine Laterne und reduzierten ihre persönliche Geschwindigkeit. Sie musterten sich gegenseitig, achteten auf Frisur und Kleidung des anderen, fuhren sich durchs Haar, klopften sich ab, wischten die Stirn, verschnauften. Dann ging die Tür auf, sie standen im Café Rabe. Das Licht war dämmrig, der Raum verraucht.

Aus: Studentenroman (unveröffentlicht)

 


Kurzinterview mit dem Autor 

 

Was bedeutet Literatur für dich? 
Adrian Kasnitz: Literatur ist immer ein Eintauchen in eine fremde Welt, in eine andere Perspektive. Es ist für mich die erotischste Kunst, denn alles was in Literatur passiert, passiert im Kopf, in der Phantasie. Hier ziehen sich nicht nur zwei Menschen an, sondern alle Dinge sind miteinander verstrickt, berühren sich und stoßen sich ab.

Welche Bedeutung haben Cafés für dich?
AK: Ich gehe oft ins Café. Cafés sind Arbeitsorte für mich. Gar nicht so sehr, dass ich hier schreibe. Dafür treffe ich hier Leute, manchmal Freunde, oft aber Kollegen, Journalisten, Fotografen. Die Wohnungen in Köln sind klein, gar nicht vergleichbar mit den Wohnungen, die ich an anderen Orten gesehen habe. Das Wohnzimmer der Kölner ist manchmal die Kneipe, manchmal das Café. Für mich ist das Café der repräsentative Ort, der meiner Wohnung fehlt.

Warum hast du die Traumathek ausgewählt?
AK: Lange Zeit bin ich in ein Café in der Nachbarschaft ein- und ausgegangen. Das hat aber in den letzten Jahren seinen Charme verloren. Ich mag das Café in der Traumathek, die ja ursprünglich eine Videothek ist und in letzter Zeit auch immer mehr ein Programmkino und ein Veranstaltungsort geworden ist. Die Plakate beschwören die Welt der alten französischen oder italienischen Filme herauf, die ich als Jugendlicher spät abends mit meiner Mutter schaute, wenn sie keinen Nachtdienst hatte und nicht schlafen konnte.

Was machst du, wenn du nicht im Café bist?
AK: Ich mag lange Spaziergänge, Stadtspaziergänge in andere Stadtviertel, kleine dérives an Orte, die ich noch nicht gut kenne und die ich manchmal überrasche.

 


 BIO

Adrian Kasnitz, an der Ostsee geboren und in den westfälischen Bergen aufgewachsen, lebt seit vielen Jahren in Köln. Er veröffentlichte zuletzt den sechsten Teilband des Gedicht-Zyklus Kalendarium in der parasitenpresse und den Roman Bessermann im Launenweber Verlag.

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Bastian Schneider | Chante Cocotte, Köln

Foto: Alain Barbero | Text: Bastian Schneider

 

Glanzstück

Im Café saß ein Mann. Aus seinem linken Nasenloch ragte ein kleines Haar. Die Haarspitze glänzte in der Sonne. Die Sonne schien durch das Fenster. Am Fenster saß eine junge Frau und biß in ein Schnittlauchbrot. Der Schnittlauch leuchtete grün. Auf ihrem rechten Handgelenk hatte die Frau einen aufgespannten Regenschirm tätowiert. Die Regenschirmspitze zeigte auf den Mann. Der Mann putzte sich die Nase. Das Nasenhaar glänzte.

 


Kurzinterview mit dem Autor 

Was bedeutet Literatur für dich?
Bastian Schneider: Literatur ist für mich Lust an der Sprache, eine große Weltwahrnehmungsmaschine und manchmal auch einfach wunderbar geeignet, sich zu zerstreuen.

Welche Bedeutung haben Kaffeehäuser für dich?
BS: Ich gehe seit über 20 Jahren regelmäßig in Cafés, zum Freunde treffen, Leute beobachten und zum Arbeiten. Kaffeehäuser sind mich eine Art erweitertes Wohn- und Arbeitszimmer.

Warum hast du Chante Cocotte ausgewählt?
BS: Der Kaffee ist gut, die Tische sind super fürs Schreiben, die unverputzten Backsteinwände strahlen Wärme aus und weil das Café nicht so groß ist, hat man dort auch seine Ruhe. Außerdem mag ich die kleine Terrasse im Hinterhof.

Was machst du, wenn du nicht im Kaffeehaus bist?
BS: Dann sehne ich mich danach, im Kaffeehaus zu sein!

 


BIO

Bastian Schneider studierte deutsche und französische Literatur in Marburg und Paris sowie Sprachkunst in Wien. Zuletzt erschienen von ihm die Kurzprosabände „Die Schrift, die Mitte, der Trost“ (2018) und „Paris im Titel“ (2020) im Wiener Sonderzahl Verlag. Er lebt in Köln und Wien.