Laure Mi Hyun Croset | L’Area, Paris

Foto: Alain Barbero | Text: Laure Mi Hyun Croset | Übersetzung aus dem Französischen: Kurt Ryslavy

 

L’Area for ever

Ich habe die Nacht immer geliebt. Ob ich nun bis spät in die Nacht lese oder nach einem verrückten Ausflug nach Hause komme, ich habe die Nacht schon immer geliebt.

Ich habe die Area dank eines Freundes entdeckt, Pascal Oïffer, der sowohl die mythischen Orte von Paris als auch die aufstrebenden kennt, denn ich glaube, er liebt das Leben, ist immer neugierig auf menschliche Aktivitäten und darauf, was Menschen bewegt, insbesondere Künstler, deren Universen oft dichter sind als die von Menschen, die weniger Zeit haben, ihre eigene Weltanschauung zu entdecken und auszudrücken.

Als Pascal mir also eine Nachricht schrieb, in der er mich aufforderte, ihn im L’Area zu treffen, weil es „der Ort sei, an dem man sein müsse, vor allem an einem Sonntagabend“, überzeugte ich den Freund, mit dem ich zu Abend aß, dorthin zu gehen. Seitdem ist diese Bar, in der Kunstwerke ohne Großspurigkeit nebeneinander stehen und auf der Speisekarte brasilianische und libanesische Gerichte stehen, als ob diese beiden Küchen von Natur aus miteinander vereinbar wären, zu meinem Stammquartier geworden, wenn ich in Paris bin.

Man trifft dort einen jungen Produzenten, eine Chanel-Muse oder einen schwulen ukrainischen Fotografen, vor allem junge Kreative. Eine echte Casting-Show mit wunderschönen Gesichtern und stilvollen Outfits! Aber was überrascht, ist, dass sie lächeln. Alle sind freundlich und höflich. Keine Arroganz, keine bedrohlichen Flirts, nur eine Art Nachtfamilie.

Es ist die Persönlichkeit des Chefs Edouard, die die fröhliche und inspirierende Atmosphäre dieses fast unwirklichen Ortes schafft, der durch seine Geselligkeit und die stilvollen Gäste besticht. Man bezahlt seine Getränke beim Verlassen des Lokals, denn es gibt jede Menge Freigetränke. Man sollte nur darauf achten, am nächsten Tag nichts vorzuhaben, denn es ist fast unmöglich, nüchtern und vor Schließung der Bar nach Hause zu kommen!

 


Interview mit der Autorin

Was kann Literatur bewirken?
Laure Mi Hyun Croset: Literatur ermöglicht es uns, unsere Vorstellungskraft zu entwickeln, für Schönheit empfänglich zu sein, uns dem Ernst des Lebens zu entziehen, dem Hier und Jetzt zu entfliehen, Empathie für Menschen zu entwickeln, die sich in einer ganz anderen Situation befinden als wir selbst, zu prüfen, ob eine Welt wünschenswert ist, oder uns im Gegenteil bewusst zu machen, was uns droht, wenn wir uns weiter treiben lassen.

Cafés: Orte der sozialen Interaktion oder des reinen Konsums?
LMHC: Für mich sind Cafés Orte, an denen man oft findet, was man sucht. Wenn man einen bestimmten Lebensstil zur Schau stellen möchte, wählt man einen luxuriösen oder angesagten Ort, aber man kann auch wegen der Gesellschaft, der Einsamkeit oder des Abenteuers dorthin gehen. Es sind Orte der Gemeinschaft, die man aber auch individuell wahrnehmen kann: um dem Lärm zu Hause zu entfliehen, das Leben in der Bar oder drum herum zu beobachten.

Wo fühlst du dich zu Hause?
LMHC: Ich kann mich überall zu Hause fühlen, manchmal sogar mehr in einem schäbigen Hotel als in meiner luxuriösen Wohnung. Ich fühle mich zu Hause, wenn die materiellen Dinge um mich herum meine Werte nicht beeinträchtigen und meine innersten Gedanken zum Vorschein kommen können.

 

BIO

Laure Mi Hyun Croset ist eine in Seoul geborene Schweizer Romanautorin und Mitglied des Parlaments der frankophonen Schriftstellerinnen. Sie hat acht Werke veröffentlicht, darunter S’escrimer à l’aimer, eine Liebesgeschichte in Briefform (Finalistin des Prix Lettres Frontière), Le beau monde, eine Gesellschaftssatire, erschienen bei Albin Michel (Finalistin des Prix Soroptimist). Polaroïds (Prix Ève de l’Académie Romande), eine Autofiktion über ihre Schamgefühle, und Made in Korea, ein Roman über die Rückkehr eines Adoptivkindes nach Korea, wurden bei Esoope Publishing ins Koreanische übersetzt.