Velibor Čolić | Chez Velibor, Brüssel
Foto: Alain Barbero | Text: Velibor Čolić | Übersetzung aus dem Französischen: Daniela Gerlach
Das Exil ist, laut Anthony Burgess, ein negativer Zustand. Der Exilant wird „sowohl von den Einheimischen als auch von seinen Landsleuten abgelehnt”. Weggehen, das bedeutet dennoch schon ein bisschen angekommen zu sein. Seit nunmehr dreiunddreißig Jahren ist Weggehen für mich nur eine zweite Haut, ein Langzeitabonnement für Frankreich. Ein schlecht geschnittener Anzug, der mich in einen Fremden verwandelt. Ich habe ständig das Gefühl, zwischen zwei Bahnhöfen, zwischen zwei Bahnsteigen zu sein, irgendwo auf irgendetwas zu warten. Und doch ist nichts zu tun. Exil, das ist der Staub, Exil ist der nasse Schwamm des Vergessens; Exil, das heißt überall einen Akzent zu haben, auch zu Hause. Exil, das ist weggehen und dann bleiben, eingeladen werden und dann bleiben, Dinge zu erfinden, ein ganz neues Leben,
und dann bleiben … Letztendlich bedeutet Exil: bleiben.
BIO
Geboren 1964 in Jugoslawien. Seit 1992 lebt und arbeitet er in Frankreich. 2008 beginnt er, auf Französisch zu schreiben, der Sprache seines Exils. Er veröffentlicht seine Romane im Gallimard-Verlag. Seine Bücher wurden in sechzehn Sprachen übersetzt. 2019 erhält er die französische Staatsbürgerschaft. Seit 2021 lebt er in Brüssel.


