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Aron Boks | Spitzenback, Berlin

Foto: Alain Barbero | Text: Aron Boks

 

Tiefkühltage zum Frühstück

Es gibt diese Tagesanfänge, die du eintuppern möchtest, um sie präventiv neben der Vodkaflasche im Gefrierfach zu platzieren.
Diese Tagesanfänge, auf die sich Reize der Realität stürzen wie die Wespen auf ein süßes Frühstück, jetzt an einem sonnigen Cafétisch irgendwo in Berlin-Neukölln.
Genau dort lässt ein Paar dann eine Flasche Rotwein kurz vor 12 schon das zweite Mal zurückgehen. „Schmeckt einfach immer noch scheiße.“
Woraufhin wie zur Antwort ein eigenartig manisch-klares „IHR WISST ES DOCH EH – ICH HASSE EUCH ALLE“ aus der U-Bahn dringt.
Und während du noch sinnlos mit einer Hand wedelnd dein Croissant vor den Wespen verteidigst und mit der anderen Wespenkonfitüre auf deine Cappucinountertasse löffelst – stetig hektischer und mit Starrblick, als würdest du einen Schützengraben ausheben, packt dich irgendein Date oder Freund oder Familienmitglied, dem man zeigen will, wie geil alles gerade läuft, am Handgelenk und fragt ob „auch wirklich alles okay“ wäre.
Ja, denkst du dann später, und öffnest das Eisfach.

 


Kurzinterview mit dem Autor

Was bedeutet Literatur für dich?
Aron Boks: Literatur bedeutet für mich die Realität auszureizen. Mit der Realität klar zu kommen, könnte man auch sagen, aber das klingt immer so negativ.

Welche Bedeutung haben Cafés für dich?
AB: Cafés sind für mich Zwischenwelten. In diesen privat wirkenden Räumen versammeln sich lauter fremde Menschen und brechen kurz aus, aus ihrem Alltagsschutzgewand für die Straße, für den Bus oder für die U-Bahn. Reden vielleicht ein bisschen zu laut miteinander, oder starren irgendetwas stumm an. Dazu trinken sie etwas, das sie nicht im Haus haben und sich gerade bestellt haben. Dann kommt auch hier die Frage auf: Was hat das eigentlich für eine Bedeutung?
Das ist doch spannend.

Warum hast du Spitzenback ausgewählt?
AB: Dieser Backshop „Spitzenback“ liegt nur ein paar Fußschritte von meiner Wohnungstür in Berlin-Neukölln entfernt und irgendwie hatte ich seit meinem ersten morgendlichen Besuch dort diesen umgesteuerten, ganz unüblichen Mitteilungsdrang, befeuert von einer Mischung aus Koffein und eigener Morgenneugier.
Der Betreiber Joshua weiß dann als einer der ersten, wenn ich mich über irgendein Tagesereignis sorge, wenn ich verliebt bin oder auch nicht so recht weiß, was – aber das auf jeden Fall etwas los ist. Vielleicht auch nur das Wetter.
Und ich weiß Joshuas Antwort: „Noch einen Café Creme?  Zum Hier trinken? Den Rest besprechen wir gleich.“

Was machst du, wenn du nicht im Café bist?
AB: Dann erforsche ich den Tag und alles was damit zusammenhängt.

 

BIO

Aron Boks wurde 1997 in Wernigerode geboren. Als Slam-Poet bereist er die Bühnen des gesamten deutschsprachigen Raumes.
Er ist Mitbegründer der Spoken Word Band „Das Zappelnde Tanzorchester“ und schreibt für verschiedene Zeitungen und Magazine, wie z.B für die taz.
2019 erschien sein letztes Buch „Luft nach Unten“ – im selben Jahr erhielt er den Klopstock Förderpreis für Neue Literatur.