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Linda Achberger | Café Puschkin, Leipzig

Foto: Alain Barbero | Text: Linda Achberger

 

shorebird

hier riecht es nach salz, nach kleinen tieren in roten panzern und muscheln, die an felsen kleben, als wurden sie sich an etwas halten wollen. auf klippen legen vögel eier, klein und grau. Ich halte den tag, als würde er bald brechen, ich halte ihn behutsam wie feuchte forellen am marktstand, zitternde kiemen, offene münder. abends schneidest du mit dem messer die kleinen augen aus den fischen, hältst sie mir mit offener hand hin. sie schimmern.

 


Kurzinterview mit der Autorin

Was bedeutet Literatur für dich?
Linda Achberger: Literatur ist für mich Schreiben. Und Schreiben ist ein einziges Scheitern. Ein Versuch, ein Fallen, stetig, immer. Es ist ein Wollknäuel, das ich zu entwirren versuche, Faden für Faden, Bild für Bild, Wort für Wort. Literatur ist nur eine Annäherung an die Wirklichkeit – oder zumindest an das, was wir unter der Wirklichkeit verstehen. Literatur ist also immer auch eine Lüge. Eine kleine Lüge, mit der ich mich meiner Wirklichkeit anzunähern versuche.

Welche Bedeutung haben Cafés für dich?
LA: Ein essentieller Teil des Erzählens ist für mich Beobachtung. Gerne sitze ich stumm da und beobachte. Es sind Momente, kurze Bilder, Gesichtsausdrücke, die sich bei mir einschreiben und fortschreiben. Cafés bieten das für mich – eine Fläche, auf der ich stumm sein und beobachten kann.

Warum hast du Café Puschkin ausgewählt?
LA: Die Atmosphäre des Café Puschkins ist es, die mich fasziniert. Sie ist warm & dunkel und es schwingt eine Nostalgie mit, die von alten Zeiten und Erinnerungen erzählt. Außerdem war das Café Puschkin das erste Café, in dem ich in Leipzig war. Ich weiß noch, es war kalt und ich verlor einen meiner Pulswärmer. Er war aus dunkelroter Wolle.

Was machst du, wenn du nicht im Café bist?
LA: Ich spaziere im Auwald und sammle Samen, Eicheln und Hölzer, aus denen ich nur selten etwas bastle.

 

BIO

Linda Achberger, geboren 1992 in Bregenz (AT), Studium der Germanistik und Geografie in Innsbruck. An der Universität Leipzig schloss sie den Master in Germanistik, Schwerpunkt Literaturwissenschaft ab, seit 2015 studiert sie am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Sie veröffentlicht in Zeitschrift und Anthologien, zuletzt in Prosser / Szalay (Hg.): „wo warn wir? ach ja: Junge osterreichische Gegenwartslyrik“ (2019). 2018 Erhalt des Startstipendiums für Literatur des Bundeskanzleramt Österreich.