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Florian Gantner | Café Mocca, Wien

Foto: Alain Barbero | Text: Florian Gantner, auch in: „Melange der Poesie“ (Kremayr & Scheriau, 2017)

 

In Kafkas letzter Erzählung beschreibt ein Dachs seinen Bau. Nicht ohne Stolz schildert er die labyrinthische Konstruktion seiner Heimstatt. Rundum zufrieden könnte er sein, gäbe es nicht zwei Dinge, die seine Ruhe stören. Die Vorräte, die sich am Burgplatz türmen, verlangen nach einer besseren Ordnung, aber vor allem der Eingang zum Bau ist es, der ihm Sorgen bereitet. Von den unzählig unternommenen Anstrengungen, dem Feind den Eintritt weiter zu erschweren, kann keine ihn gänzlich zufrieden stellen. Bisweilen muss der Dachs den Bau verlassen, wofür eben ein Ausgang benötigt wird. Doch jeder Ausgang kann unvermittelt zum Eingang für den Angreifer werden, das Rettungsloch sich zur Falle verwandeln.
Eines Tages nun erwacht der Dachs und hört ein ungewohntes Geräusch, eine Art Zischen.

Ich hebe den Blick zur Frau am Nebentisch, die eben sagte, man hole sich beim Chinesen um die Ecke nur eine Lebensmittelvergiftung.

Bevor die Nachbarin zu Besuch kam, um über dieses und jenes zu reden, pflegte mein Großvater stets sein Hörgerät abzudrehen.

 


Interview mit dem Autor

Welche Bedeutung hat Literatur für dich?
Florian Gantner: Ich gehe da ziemlich weit mit dem Großen Wahrig konform. „Gesamtheit der schriftlichen Äußerungen eines Volkes oder einer Zeit, (im engeren Sinne) dessen bzw. deren gesamtes schöngeistiges Schrifttum“. Obwohl, wenn ich die Definition laut Vorlesen müsste, würde ich bei ‚Volkes‘ etwas zaudern. Und ‚schöngeistig‘ ist auch so ein Wort …

Welche Bedeutung hat „Kaffeehaus“ für dich?
FG: Auch da klingt der Wahrig ganz vernünftig. Aber was weiß der schon von Wiener Kaffeehäusern?!

Warum hast du das Café Mocca gewählt?
FG: Im Sommer: der Garten (in dem sich fein sitzen lässt) und der Verkehr (der die Stimmen der anderen Besucher, die mich aus meiner Lektüre holen wollen, überdröhnt), im Winter: Großer Brauner, Bier, Kellnerinnenlächeln. Und ins Café Stadtbahn ist’s auch nicht weit!

Was machst du, wenn du nicht im Café bist?
FG: Beisln gibt’s ja auch noch. Manchmal bin ich aber auch in meiner Wohnung.