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Gerhard Jaschke | Café Landtmann, Wien

Foto: Alain Barbero | Text: Gerhard Jaschke, auch in: „Melange der Poesie“ (Kremayr & Scheriau, 2017)

 

Im Kaffeehaus steht die Zeit scheinbar für einen Moment lang still trotz des Trubels. Kellner wuseln ums Eck. Eintretende Gäste wechseln mit ins Freie drängenden, Sekundenschläge prasseln hernieder, entscheidende Augenblicke pulsieren von Tisch zu Tisch bis in den hintersten Winkel des Lokals. Wäre man nur zu einer anderen Zeit zur Welt gekommen, hätte man ohne weiteres etwa mit Lenin oder Altenberg, Friedell, Kraus, Loos in einem Kaffeehaus sitzen können, wäre ihnen vielleicht sogar näher gekommen, hätte möglicherweise sogar eines Tages ein Wort mit ihnen gewechselt, doch auch Jahre später blieb dies Illusion. Da saß ja tatsächlich Thomas Bernhard und blätterte in großformatigen Zeitungen. Wer hätte schon gewagt ihn dabei zu unterbrechen? Und dort drüben, ganz richtig, war George Tabori in seiner Welt versunken. Niemand wollte ihn aus dieser ziehen, und schon gar nicht du.
Und da hört man vom Nebentisch ganz deutlich: „Ohne meine beiden Frauen hätte ich es nicht geschafft. Niemals!“ – und der Dichter notiert: „Seelenschnitte Walzerklang, date crown! Zwei Frauen ist zu trauen.“ Weiters unternimmt er rechnerisch den Versuch das heutige Datum zu enträtseln, zumindest auf eine Zahl zu bringen – 10.12.15 = 37 = 10 = 1

 


Interview mit dem Autor

Welche Bedeutung hat Literatur für dich?
Gerhard Jaschke: Die Literatur hat eine ganz große Bedeutung für mich. Sie ist mein Leben.

Welche Bedeutung hat „Kaffeehaus“ für dich?
GJ: Auch eine große, doch im Vergleich zur Literatur, eher eine geringe. Als ich noch meine Werkstatt in der Kutschkergasse regelmäßig aufsuchte, war das „Schopenhauer“ mein erweitertes Wohnzimmer, in dem ich mich gerne durch Zeitungen raschelte, Menschen beobachtete, Freunde traf. Auch das im Wohnhaus Zelinkagasse /Ecke Franz Josefs-Kai befindliche „Pelikan“ sagte mir zu, doch schloss es vor kurzem.

Warum hast du das Café Landtmann ausgewählt?
GJ: Das „Landtmann“, weil es leicht erreichbar für mich ist, weiters sehr geräumig – und auch über viel Lesestoff  verfügt.

Was machst du, wenn du nicht im Café bist?
GJ: Daheim sein, arbeiten, zur Post gehen, Veranstaltungen besuchen. Nach Schlaganfall etwas eingeschränkter…