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Manuela Bibrach | Café Enjoy, Bischofswerda

Foto: Alain Barbero | Text: Manuela Bibrach

 

Ich habe das Gehenlassen geübt
an jungen Vögeln an Katzen
in weißen Räumen im scharfen Geruch
von Desinfektion
einmal zertrat ich eine sterbende Maus
nach Tagen noch spürte ich
ihren Körper unter meinem Schuh
eine sanfte Wölbung
über die ich beim Gehen abrollte
und die verletzte Schlange
deren Kopf ich zertrümmerte
liegt sicher noch heute in der Wiese
auf die ich sie trug
ein filigranes Skelett
es ist nicht so
dass ich mich daran gewöhnte
ich lernte es nicht
wie all die anderen stummen Vokabeln
des Lebens eine blutige Anfängerin
werde ich sein
im letzten Moment
wer hätte den Mut mich hinüber zu tragen
und wer das Recht es zu tun

 


Kurzinterview mit der Autorin

Was bedeutet Literatur für dich?
Manuela Bibrach: Ich liebe dich so wie das Salz in der Suppe, sagte die Prinzessin und wurde vom König aus dem Schloss geworfen, weil er den Wert des Salzes nicht hoch genug einschätzte. Ich kann den Wert von Salz ermessen und sagen, dass Literatur mir ebenso wichtig ist wie dieses.

Welche Bedeutung haben Cafés für dich?
MB: Cafés ziehen mich an, weil mich das Hintergrundrauschen der Gespräche der anderen Gäste öffnet und inspiriert. Ich nutze Cafés für die einsame Arbeit am Text und für den Austausch mit anderen Autor*innen. Während meines Literaturstipendiums in Breslau 2018 saß ich am liebsten im „Literatka“ und arbeitete an meinem Manuskript. Echte (Wiener) Kaffeehauskultur kann man hier allerdings nicht erleben, das bleibt für mich ein nostalgischer Traum.

Warum hast du Café Enjoy ausgewählt?
MB: Das Café Enjoy in Bischofswerda ist eines der Cafés, in denen ich mich öfter mit anderen Autor*innen treffe. Ich wähle meine Cafés nach mehreren Kriterien aus: exzellenter Espresso, nicht zu laut, nicht zu leise, keine Häkeldeckchen auf den Tischen. Im hinteren Bereich des enjoy ist es dunkel und geheimnisvoll und man kann phantastische Cocktails genießen.

Was machst du, wenn du nicht im Café bist?
MB: Wenn ich nicht im Café bin, findet man mich aktuell schreibend und lesend zu Hause am Rechner, im Gespräch mit einem meiner Kater oder im Wohnmobil und auf Entdeckertour mit meinem Liebsten.


BIO

Sie stammt aus Dresden und ist Dipl.-Ing. (FH) für Landschaftsnutzung und Naturschutz, Vertiefung Umweltbildung und –psychologie. Sie schreibt, seit sie schreiben kann, vor allem Lyrik und Kurzprosa. Vor circa dreizehn Jahren ging sie mit ihren Texten das erste Mal an die Öffentlichkeit, seitdem gewann sie vier Literaturpreise und bekam von der Sächsischen Kulturstiftung Sachsen ein Literaturstipendium in Breslau finanziert. Sie ist bisher dreizehn Mal umgezogen und lebt jetzt in der Oberlausitz. Für die täglichen Brötchen arbeitet sie als Texterin.