Peter Großmann | Leuthold’s 1910, Castrop-Rauxel
Foto: Alain Barbero | Text: Peter Großmann
Mitten im Herzen von Castrop-Rauxel, direkt am Altstadtmarkt, liegt ein Café, das für mich mehr ist als nur ein Ort für Kaffee und Kuchen: Leuthold’s 1910.
Das Gebäude selbst ist historisch, und der Name „1910“ bezieht sich auf das Baujahr des Hauses. Die Einrichtung spielt bewusst mit diesem historischen Flair und erinnert an elegante Brasserien um die Jahrhundertwende. Hohe Decken, eine Galerie und geschmackvolle Details erzeugen eine Art kleine Zeitreise.
Hier pulsiert ein kleines Stück Ruhrgebietsleben.
In einer ehemaligen Bergarbeiterstadt wie Castrop-Rauxel erfüllt ein Café heute oft weit mehr als nur die klassische Rolle. Es wird zu einer Art sozialem Wohnzimmer der Stadt.
Früher bestimmten Zechen, Schichtarbeit und harte körperliche Arbeit den Alltag vieler Menschen. Mit dem Ende des Bergbaus verschwanden nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch viele Treffpunkte der alten Arbeiterkultur. Kneipen, Vereinsheime und Kantinen verloren an Bedeutung. Und auch die traditionelle Idee des Frühschoppens, bei der die Bergleute sich am Sonntag vormittag in der Kneipe trafen, um zu reden und natürlich, manchmal auch zu viel zu trinken. Diese Zeiten sind vorbei.
Aber ein Café wie 1910 kann diese Lücke teilweise schließen. Es wird zu einem Ort der Begegnung für unterschiedliche Generationen. Menschen treffen sich dort regelmäßig zum Austausch, erzählen Geschichten aus der guten alten Bergbauzeit und halten damit ein Stück Stadtgeschichte lebendig. Gleichzeitig nutzen jüngere Menschen oder Familien das Café als Treffpunkt, um zu arbeiten, zu lesen oder Freunde zu treffen.
So entsteht eine Mischung aus Erinnerung und Gegenwart.
Ein Café kann außerdem Symbol für den Wandel einer Stadt sein. Wo früher Fördertürme und Industrie das Bild prägten, entstehen heute kulturelle Orte.
Gerade in einer Stadt wie Castrop-Rauxel kann ein Café deshalb wie ein kleines städtisches Lagerfeuer wirken: Menschen setzen sich zusammen, erzählen, diskutieren und knüpfen neue Verbindungen. In einer Zeit, in der sich wirtschaftliche Strukturen verändern, helfen solche Orte dabei, Gemeinschaft, Austausch und ein Gefühl von Heimat zu bewahren.
Kurzinterview mit dem Autor
Auf deiner Website steht „Peter Großmann hat zu tun“. Findest du bei deinem Terminkalender noch Zeit, ins Café zu gehen?
Peter Großmann: Mein Terminkalender ist zwar voll, aber ich habe durch die Arbeit im ARD Morgenmagazin einen großen Vorteil: Ich bin schon zur besten Kaffeezeit gegen 11 wieder zuhause in Dortmund und kann ab und zu deshalb einen schnellen Kaffee genießen. Manchmal im 1910, wie auf dem Foto, aber es gibt jede Menge andere Möglichkeiten in der Nähe, die mich da bestens versorgen. Rund um meinen Wohnort gibt es in ehemaligen Industrieanlagen tolle Locations.
Sind Cafés wichtig? Welche Bedeutung haben solche Orte für dich?
PG: In Cafes serviert man eigentlich etwas Größeres als gemahlene Bohnen mit Wasser: ein Gefühl von Zuhause. Insofern ist das schon mal ein Argument für einen Besuch. Sitzen, Lesen, Menschen treffen und beobachten oder auch einfach nur Abschalten ebenfalls. Im besten Fall ist der Besuch eine kleine Flucht aus meinem Alltag, der neue Kräfte freisetzt.
Sport für Kinder ist dir wohl ein Anliegen. In welche Zukunft gehen diese Kinder?
PG: Es wäre schön, wenn Kinder in eine bewegte Zukunft gehen würden. Also zum einen in ein spannendes, aufregendes Leben, das täglich gefühlsmäßig „bewegt“. Zum anderen aber sollte es auch ein Leben in Bewegung sein, die ja aktuell den meisten Kindern fehlt in Zeiten von Eltern-Taxi und Handy.
BIO
Peter Großmann ist langjähriger Fernseh- und Radiomoderator für den WDR in Köln.
Seit Mitte der 2000er Jahre ist er als Autor tätig. Er schreibt Biographien, Bücher, die sich mit Gesundheit und Sport beschäftigen, und hat eine Romanserie über eine Mädchenfußball-Mannschaft veröffentlicht.
Seine Freizeit gehört der Familie und dem Sport. Man findet ihn dann auf dem Rad und auf dem Golfplatz.
Er ist verheiratet, hat 2 Kinder und lebt seit seiner Geburt in Dortmund .










