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Daniel Wisser | Café Wortner, Wien

Foto: Alain Barbero | Text: Daniel Wisser

 

Salzstangerl

Zu der Zeit, als es noch keine Salzstangerl ohne Salz gab, entfernte der Volksschullehrer Winter, der die 1. und 2. Klasse unterrichtete, jenen Schülerinnen, die danach verlangten, in der großen Pause das Salz durch Reiben des Salzstangerls an der Türklinke des Turnsaals. Eines Tages fragte er dabei eine Schülerin, die ein blaues Auge hatte, wobei sie sich verletzt habe. Das sei in der Religionsstunde passiert, antwortete die Schülerin, nahm ihr Salzstangerl und rannte davon. Der Lehrer Winter beschloss, die Sache nicht auf sich beruhen zu lassen. Er erzählte der Direktorin Hackl, ihm sei schon mehrmals berichtet worden, dass dem Pfarrer Reisinger, der in der Volksschule Religion unterrichtete, bei den Schülern die Hand ausgerutscht sei. Er sei überzeugt, man müsse auch dem Herrn Pfarrer klarmachen, dass Prügelstrafe nicht mehr zeitgemäß sei, sagte Winter. Die Direktorin schüttelte den Kopf. »Das ist wohl ihre Privatmeinung«, antwortete sie. Und sie fügte hinzu: »Es ist übrigens auch meine Privatmeinung, aber sie hat sich eben bisher nicht durchgesetzt.« Zwei Tage später kam die Mutter des Mädchens mit dem blauen Auge, als sie die Tochter von der Schule abholte, auf den Lehrer Winter zu. Sie blickte ihn vorwurfsvoll an und sagte, ihre beiden Söhne seien Ministranten und sei wolle mit dem Pfarrer keine Schwierigkeiten bekommen. Der Lehrer Winter solle sich in den Religionsunterricht ihrer Tochter nicht einmischen und auch gefälligst ihre Salzstangerl in Ruhe lassen.

 


BIO

Daniel Wisser geb. 1971 in Klagenfurt, lebt seit 1989 in Wien. 2003 erscheint sein Debutroman „Dopplergasse acht“. Seither erschienen fünf Romane und eine Sammlung von Prosaminiaturen mit dem Titel „Unter dem Fußboden“ (2019), die ständig weiter wächst. Für den Roman „Königin der Berge“ (2018) wird er mit dem Österreichischen Buchpreis und dem  Johann-Beer-Preis ausgezeichnet. Für 2021 ist der Roman „Wir bleiben noch“ angekündigt. Webseite: www.danielwisser.net

 

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Daniel Wisser | Café Wortner, Wien

Foto: Alain Barbero, auch in: „Kinder der Poesie“ (Kremayr & Scheriau, 2019) | Text: Daniel Wisser

 

Aufzählung

„Vier Dinge sind es, die wir jetzt beachten müssen“, sagte die Bereichsleiterin Lessigang zum Direktor Dr. Vegh auf dem Korridor des Amtsgebäudes gerade in dem Moment, als der junge Disponent Spring an den beiden vorbeiging. Spring, der die Bereichsleiterin und ihre nicht enden wollenden Aufzählungen kannte, war froh, dass er nicht von Lessigang angesprochen worden war, und beschleunigte seinen Schritt. „Erstens …“, setzte die Bereichsleiterin Lessigang fort. Spring wusste genau, was nun folgen würde: Ihre Aufzählung würde nicht über den ersten Punkt hinausgehen, sondern sie würde den ersten Punkt in vier Unterpunkte teilen, diese aber wieder nicht vollständig auflisten, sondern den ersten Unterpunkt in vier Unterunterpunkte teilen und so weiter und so fort. Als Spring sich in sicherem Abstand von der Bereichsleiterin Lessingang glaubte, trat er an das Fenster zum Innenhof und sah, dass der große Kirschbaum schon jetzt, Mitte März, zu blühen begonnen hatte. „Vier Jahreszeiten sind es, die schön sind“, dachte der Disponent Spring, „aber alle schwärmen immer nur vom Frühling.“

 


Kurzinterview mit dem Autor 

Was bedeutet Literatur für dich?
Daniel Wisser:
a) Sie ist mein Beruf (geworden) und bis hierher war es ein 15jähriger, zäher Kampf. Insofern bin ich wie die meisten und kämpfe jetzt mit Abstiegsängsten.
b) Die Literatur ist das Einzige, was übrigbleibt, um die Wirklichkeit heute darzustellen. Alle anderen Möglichkeiten, besonders der Journalismus sind vom Kapitalismus bereits aufgekauft worden und keine Informationsquellen mehr, sondern Propagandainstrumente.
c) Sie umgibt mich schon seit ich lesen kann mit Texten, die ich mir zu merken versuche, damit ich etwas zu sagen habe zu Dingen, zu denen mir nichts einfällt.

Welche Bedeutung haben Cafés für dich?
DW: Ich gehe am liebsten in Cafés, die nicht „in“ sind, wo man sich in eine Ecke setzen und unbemerkt schreiben kann. Ich schreibe aber nicht meine eigenen Texte, sondern einfach die Gespräche oder Teile davon auf, die ich mithöre.

Warum hast du das Café Wortner ausgewählt?
DW: Es gefällt mir, weil es unpretentiös ist. Weder soll es etwas Zeitgenössisch-sein-wollendes ausstrahlen, noch wird dort Nostalgie bemüht. Es ist einfach so da, wie es ist. Und das ist für ein Café im vierten Bezirk einzigartig.

Was machst du, wenn du nicht im Café bist?
DW: Ich schreibe an einem Schreibtisch, spaziere auf Straßen und Wegen und schlafe in einem Bett. Insofern ist mein Leben wenig bemerkenswert.

 

BIO

Daniel Wisser geb. 1971 in Klagenfurt, lebt seit 1989 in Wien. 2003 erscheint sein Debutroman „Dopplergasse acht“. Seither erschienen fünf Romane und eine Sammlung von Prosaminiaturen mit dem Titel „Unter dem Fußboden“ (2019), die ständig weiter wächst. Für den Roman „Königin der Berge“ (2018) wird er mit dem Österreichischen Buchpreis und dem  Johann-Beer-Preis ausgezeichnet. Für 2021 ist der Roman „Wir bleiben noch“ angekündigt. Webseite: www.danielwisser.net

Blog Entropy, Olivia Kuderewski, Alain Barbero, Barbara Rieger, Szimpla Berlin, Café, Berlin

Olivia Kuderewski | Szimpla, Berlin

Foto: Alain Barbero | Text: Olivia Kuderewski, Auszug aus „Lux“ (Roman, erscheint im Frühjahr 2021 bei Voland & Quist)

 

Das Neon der Schilder schießt in Lux wie Tinte in Wasser. Sie steckt sich die Camel an, nimmt einen so tiefen Zug, dass sie husten muss, und fährt die Konturen der Blockbuchstaben, die Botschaften der Bildschirme, gierig mit dem Blick ab. Sie starrt in reine, stechende Farben, darüber der Himmel, schwarz und unerkennbar, und ihr wird schwindlig vom Nachrichtenzipper, sie heftet sich an einen Buchstaben, folgt ihm, bis er digital verschwindet, dann der nächste, von vorne, so lange, bis die Muskeln hinter den Augen weh tun. Lux frisst das Neon, verschlingt es, sie wird davon nicht satt. Körper und Gesichter, Klamotten und Masken und das Drama der Spielfilme, die sie alle kennt, auf hauswandgroßen LCDs, Schauspieler und Models godzillagroß, aber zahm und mit verzogenen Gliedmaßen durch die Flucht der Straße. Die Schärfe der Bildschirme, niemals wird sie wegsehen können und das, was ihr hier immer am besten gefallen hat, ist, dass das Drama sich ohne Ton abspielt. Die Videos laufen lautlos zum Rauschen der Stadt, das nur von gelben Taxis und vom Durchzug verursacht wird.

Du bist ein winziger Punkt zwischen rechtwinkligen Steintürmen, im tiefsten, archäologischen Tal Amerikas, im Canyon von New York liegst du, so tief unten im Neonparadies, dass kein einziger Stern zu sehen ist. Du bist im Herzen von Amerika. Du bist im heiligen Herz von Amerika, denkt sie, und ihr eigenes beruhigt sich.

Lux wird durchlässig. Sie verwandelt sich in einen Teil dieser Stadt, in ein paar wenigen Minuten verformt sie sich wie im Märchen, von Lux zu Amerika. Du bist im Herzen von Amerika, denkt sie wieder und nickt, ihr ganzer Körper nickt, ein wenig Wasser sammelt sich unter den Lidern und sie muss für eine Sekunde die brennenden Augen schließen.

 


Kurzinterview mit der Autorin

Was bedeutet Literatur für dich?
Olivia Kuderewski: Selbstvergessenheit, Bildung und Kommunikation

Welche Bedeutung haben Kaffeehäuser für dich?
OK: Früher habe ich mich nie getraut, alleine im Café zu sitzen. Ich wollte unbedingt, aber dazu waren nur pensionierte Männer, die nachdenken, berechtigt, es fühlte sich merkwürdig exponiert und unentspannt an. Nach und nach konnte ich diese Unsicherheit abstreifen – das ist für mich eine triumphale territoriale Eroberung. Jetzt muss ich im Café sogar aufpassen, vor Selbstvergessenheit nicht in der Nase zu bohren.

Warum hast du das Szimpla Berlin ausgewählt?
OK: Sie hatten da diese Käse-Pogatschen. Wikipedia: „Pogatschen sind runde, salzige Gebäckstücke, die im Karpatenbecken, auf dem Balkan und in der Türkei zur typischen Küche gehören.“ Ich mochte, dass es sich wie eine Mischung aus Café und Bar anfühlte. Leider hat es Ende 2019 nach 10 Jahren zu gemacht, weil der greedy Boxhagener Platz wohl profitablere Läden erfordert.

Was machst du, wenn du nicht im Kaffeehaus bist?
OK: Ich schreibe in der Wohnung einer Freundin, weil die mehr Licht als meine eigene hat, versuche informiert zu bleiben und fahre mit dem Longboard herum.

 

BIO

Olivia Kuderewski, geboren 1989, hat viel zu lange an ihrem Debütroman „Lux“ gearbeitet, der jetzt endlich im Frühjahr 2021 bei Voland & Quist herauskommt.

 

 

Blog Entropy, Petra Sturm, Alain Barbero, Barbara Rieger, Velobis, Café, Kaffeehaus, Wien, Vienne

Petra Sturm | Velobis, Wien

Foto: Alain Barbero | Text: Petra Sturm

 

Ich sage jetzt verwegen, schreiben und Radfahren gehören zusammen. Weil die Erfahrungen intim, intensiv und körperlich sind, die Synapsen im Gleichschritt mit den Pedalen glühen. Wenn man erst mal drinnen ist, im Flow, schreibt sich die Wahrnehmung von der Welt mit Geschwindigkeit ein. Räder, Tasten, Stifte und Pedale sind für mich Transmissionsvehikel.

Mir kommen tatsächlich viele Ideen beim Radfahren. Wo wäre es schöner sie zu sammeln, als in einem Lokal, das auch Räder beherbergt? Es muss in jeder Stadt ein Radcafé geben, immer!

Einen Ort, wo Randonneure und Randonneusen sich treffen und sich freundlich zunicken.

Weltoffenheit und Komplizenschaft die Stätte zu einem herzlichen Raum machen.

Vielleicht bin ich auch nur altmodisch. Fluche ich mal nicht, finde ich es poetisch, wenn am Radweg Menschen aufeinander zufahren, ihre Blicke sich für einen kurzen Moment begegnen, sie etwas voneinander mitnehmen, flüchtig, aber doch intensiv, bevor sie ihre Routen weiterverfolgen. Wien ist nicht immer die offenste Stadt, aber im Radsattel öffnet sie sich, dann und wann, zumindest unter Radfahrer*innen. Selbst wenn ich falle oder mir dir Luft ausgeht, andere Pedaleur*innen werden mir aufhelfen, wie damals, als ich mir an den Straßenbahnschienen die Lippen blutig und ein Stück vom Zahn ausgeschlagen habe.

Cenzi habe ich aufgeklaubt, in einem Archiv. Von einer Illustriertenseite von 1897 heraus hat sie mich angestarrt. Mit schüchternem und selbstbewußten Blick, auf einem Rennrad sitzend, hat sie mich sofort davon überzeugt, alles von ihr wissen zu müssen. Wenn ich die Bellariastraße zwischen Volksoper und Volkstheater runter radle, fröstelt mich. Cenzi ist dort 1900 bei einem Triplettrennen verunglückt. Sie ist jung gestorben, diese großartige Rennradpionierin, aber davor ist sie durch Wien geradelt und in einem Radcafé gesessen, auch als Frau. Das finde ich bewundernswert. Es muss in jeder Stadt ein Radcafé geben, immer!

 


Kurzinterview mit der Autorin

Was bedeutet Literatur für dich?
Petra Sturm: Literatur ist für mich Freiraum. Die Chance, meine Wahrnehmung der Welt im Freestyle zu dokumentieren. Geschichten zu erzählen, die mich nicht los lassen, die nach sprachlichem Ausdruck drängen, von spielerisch bis schonungslos.

Welche Bedeutung haben Kaffeehäuser für dich?
PS: Sammlung und Zerstreuung zugleich. Ein Ort, an dem ich mich aufgehoben fühle, mich gerne und jederzeit mit anderen treffen kann, aber mir auch selbst genug bin, solange ich andere beobachten, lesen oder schreiben kann …

Warum hast du das Velobis ausgewählt?
PS: Jede Stadt braucht mindestens ein Radcafé! In Wien gibt es ein paar. Nachdem das Radlager zugesperrt hat, habe ich das Velobis entdeckt und mich sehr darüber gefreut. Es liegt zwar nicht bei mir ums Eck, aber bei so viel Weltoffenheit und Herzlichkeit nehme ich den Weg gerne in Kauf. Den frankophilen Einschlag finde ich auch super

Was machst du, wenn du nicht im Kaffeehaus bist?
PS: Das Leben auf viele andere Weisen erfahren und wahrnehmen … Radfahren geht immer.

 

BIO

Petra Sturm ist Autorin, Journalistin, Texterin und Radhistorikerin. Diverse journalistische, wissenschaftliche und literarische Publikationen in Zeitungen, (Fach-)Zeitschriften und – Sammelbänden. Künstlerische Arbeiten an der Schnittstelle von Literatur, Geschichte und Kultursoziologie, visuelle Poesie und Wissenschaftsaktionismus; intermediale, partizipative und performative Projekte.

Blog Entropy, Safiye Can, Alain Barbero, Barbara Rieger, Heimathafen, Café, Offenbach am Main

Safiye Can | Heimathafen, Offenbach am Main

Foto: Alain Barbero | Text: Safiye Can, Auszug aus „Rose und Nachtigall“ (Wallstein, 2020)

 

Im Land der Rosen und Nachtigallen
wurde eine andere zu der
die ich sein sollte.
Nun geschieht immer alles an Orten
an denen ich mich nicht aufhalte
man kann sich in einen Kilim
einrollen, in einer Tasse Kaffee ertrinken
einer Pusteblume um den Hals fallen
und losschluchzen.

 


Kurzinterview mit der Autorin

Was bedeutet Literatur für dich?
Safiye Can: Sauerstoff, Nahrung, Bildung, Freude. Und so viel Arbeit, dass es an Selbstzerstörung grenzt.

Welche Bedeutung haben Cafés für dich?
SC: Kommt auf das Kaffeehaus an. Ein Ort der Begegnungen, des Austauschs und bestenfalls des guten Schreibens.

Warum hast du den Heimathafen ausgewählt?
SC: Aufgrund des Namens und wegen des Bembels in einem der stylischen Regale.

Was machst du, wenn du nicht im Café bist?
SC: Ich fände eher die Frage interessant, was das Café macht, wenn ich nicht im Café bin.

 

BIO

Safiye Can, Lyrikerin, Autorin, Dichterin der konkreten und visuellen Poesie, Herausgeberin sowie literarische Übersetzerin. Die Lyrikbände der Autorin wurden kurz nach der Publikation zu Bestsellern.
Can leitet Schreibwerkstätten an Schulen und anderen Einrichtungen für Kinder und Jugendliche im In- und Ausland, und sie ist Gründerin der Schreibwerkstatt Dichter-Club.
Sie ist Kuratorin der Zwischenraum-Bibliothek der Heinrich-Böll-Stiftung, wurde u.a. mit dem Else-Lasker-Schüler-Lyrikpreis und dem AMF-Preis für aufrechte Literatur ausgezeichnet, und sie ist als Gastdozentin tätig (u.a. Northern Arizona University/USA).
Sie ist Vorstandsmitglied der renommierten Zeitschrift für Literatur, Kunst und Kritik: die horen, Mitglied bei der internationalen Schriftstellervereinigung PEN, ist ehrenamtliche Mitarbeiterin bei Amnesty International und setzt sich darüber hinaus stark für Tierrechte ein.
www.safiyecan.de

Letzte Publikationen:
Rose und Nachtigall, Liebesgedichte
Kinder der verlorenen Gesellschaft. Gedichte

 

Philippe Baudry | Aux Sportifs, Vanves

Foto: Alain Barbero | Text: Philippe Baudry | Übersetzung aus dem Französischen: Georg Renöckl

 

Unendliche Veralterung, die Langeweile räkelt ihre Ausschweifungen, Belieben des Wartens im exakten Mittelpunkt der Seele. Der Bierdeckel saugt das Elixir zuerst auf und sabbert dann den Überschuss auf den Lack, klebrige Gerstensaftringe in der perlmuttenen Dunkelheit.

Eindringender Nebel, bitteres Gift der Adern der Sorglosigkeit. Nichts hervorbringen, Unendlichkeit, getarnte Effizienz der Trägheit. Göttliches Geheimnis unserer Seelen, die das Absolute des unvermeidlichen Anderen suchen, hervorquillt langsam die erhabene Melancholie des bitteren Sehnens.

Instabiles Gleichgewicht der Seele, stummer Star, Lebenskäfig, ich strebe nach dem anderen. Blauer Himmel zerzaust von lachenden Wolken, keinerlei Talent für die Gewissheit, Notwendigkeit zu leben. So viele Idioten um uns… jemand werden. Also gut: sein genügt nicht?

Auflachen, provokant, gurrend vor Präsenz. Stück eines Theaters, einfach, des Lebens.
Schulterstoß: Luftzug der schlagenden Tür, geölte Scharniere, Gelächter, Klappern von Geschirr, das Café wird voller, kleine Tische. Menschensittiche übertreiben es mit dem existenziellen Getöse.
Batman, der Lakritz-Minz-Kater, wackelt mit einem buschigen Schwanz zwischen Stuhlsprossen und Füßen.
Ich ertrinke in menschlicher Trägheit, benommen von Glück…

 


Interview mit dem Autor

Was bedeutet Literatur für dich?
Philippe Baudry: Verblüfft, alle, durchqueren wir die Logik des Absurden unserer Leben; schreiben dient daher dazu:
– den alchimistischen Kreis aufzulösen
– den Reichtum unserer Sprache zu genießen, sie bis an die Grenzen eines subtilen und poetischen Verständnisses zu strapazieren; eine kleine innere Musik der Seele. Indem wir die Wörter hinunterstürzen, suchen wir ihr verschüttetes Geheimnis.
– in Resonanz mit dem Universellen zu treten und, befreit, sich selbst zu finden und sich den anderen zu öffnen

Welche Bedeutung haben Kaffeehäuser für dich?
PB: Kaffeehäuser, gemeinschaftliche Orte, an denen man in eremitischer Einsamkeit leben kann, mit den anderen, dem Außer-sich. Sich vergessen, von der langweiligen Beständigkeit seines Seins abweichen, Niemandsland des Wartens.

Warum hast du „Aux Sportifs“ gewählt?
PB: Pariser Großstadtkind aus der Banlieue in rauen Mengen… sich in einer echten, normal gebliebenen Café-Brasserie, wie es sie bald nicht mehr geben wird, unters Volk mischen:
Zwei Schwestern schaffen eine erstaunliche Vorstadt-Symphonie; Martha am Klavier (… am Ofen), Germaine, Kammer- und Wirtsstuben-Sängerin, eine Bianca Castafiore mit kristallenem Lachen. In Sachen Schlagfertigkeit würde ein Michel Audiard neben ihr wie ein Ministrant dastehen. Thomas, der Neffe, sucht vergeblich nach einem noch so kleinen Platz für Männer, während Lélé (Eleonora), einer Lithographie von Toulouse Lautrec entsprungen, mit leichter Hand für beeindruckende Effizienz sorgt.
Von dieser gutbürgerlichen Küche mit ihren überquellende Speisefolgen hätte ein Chirac hier alles verschlungen, eingehüllt ins anschwellende Getöse. Die Zeit vergeht… die große Szene des dritten Akts kippt in Hysterie, eine surrealistische Kakophonie.
Oft allein an meinem Tischchen, gelingt es mir, dort zu lesen, zum fünfzehnten Mal dieselbe Zeile, manchmal im Nahkampf mit Lélé… damit sie mir die Holztafel mit dem Tagesmenü, die mir als Lesezeichen dient, nicht wegnimmt… Jetzt reichts aber, die Tafel ist nicht dafür da!… Batman, der Lakritz-Minz-Kater, hat etwas zugenommen. Weltgewandt und ungezwungen holt er sich flüchtige angedeutete Streicheleinheiten ab. Nach so langer Zeit immer noch an ihrem Platz, hält die Matte des alten, hinkenden, längst toten Hundes die Anwesenheit und das Verschwinden der Erinnerung an früher fest…

Was machst du, wenn du nicht in einem Café anzutreffen bist?
PB: Geschichte, Schreiben, Tai Chi und Daito Ryo, Neo-Genealogie, Aquarell, Irrungen der Seele und andere spirituelle Exegesen

 

BIO

Philippe Baudry, geboren am 11. Januar 1953, Magister der Geographie, später Doktorand, hat sich zuerst in Richtung Graphik orientiert, eher er, spät, zu schreiben begann. Seine Feder versucht die Idee der Geographie selbst in ihrem lebendigsten Sinn zu rehabilitieren, an eine körperliche Sprache des Materials „Natur“ anzuknüpfen, den universalistischen Geist der Gelehrtenrepublik wiederzufinden.
Publikation: „Du côté d’Oléron…“ : Edition LOCAL Mai 2020

Blog Entropy, Katharina Goetze, Alain Barbero, Barbara Rieger, Villa Neukölln, Café, Berlin

Katharina Goetze | Villa Neukölln, Berlin

Foto: Alain Barbero | Text: Katharina Goetze

 

märz

du, der sich nicht bewegt
und ich, die so tut, als gäbe es da draußen was zu sehen
ihr schatten hängt noch immer an der wand
und ich erkenne dich
du bist jetzt ein fremder

so vieles wäre zeit
so vieles braucht zeit
in deinen augen fahren schiffe
und auf dem gehweg zertritt ein kind den ersten feuerkäfer des jahres
so sanft stirbt deine liebe für mich

 


Kurzinterview mit der Autorin

Was bedeutet Literatur für dich?
Katharina Goetze: Freiheit, Abenteuer, Hoffnung, Utopie, Schönheit. Zuflucht vor dem Wahnsinn.

Welche Bedeutung haben Kaffeehäuser für dich?
KG: Meine Vorstellung vom Paradies: Den ganzen Tag im Café verbringen, mit Notizbuch und Zeitung oder Laptop und Roman. Ab und zu kommen Freunde vorbei, in den Stunden zwischendrin entsteht ein neuer Text. Abends gibt es weißen Spritzer (oder in Berlin eben Weißweinschorle), wir stehen vor dem Café und irgendjemand spendiert mir eine Zigarette, weil ich eigentlich nicht rauche.

Warum hast du die Villa Neukölln ausgewählt?
KG: Vor meiner Zeit in Wien habe ich einige Jahre in Neukölln gewohnt. Ich komme immer wieder gern hierher, am liebsten nach einem Spaziergang auf dem Tempelhofer Feld. Mit der Villa Neukölln verbinde ich auch die Erinnerung an mein früheres Berliner Autor*innenkollektiv Novelists Anonymous. Hier ist zum Beispiel eine meiner ersten Kurzgeschichten – „Bevor ich für immer verschwand“ – entstanden.

Was machst du, wenn du nicht im Kaffeehaus bist?
KG: Autofiktionale Texte in der 2. Person schreiben oder systemkritische Liebesbriefe, mit dem Zug von Berlin über Dresden und Prag nach Wien fahren und die ganze Zeit im Speisewagen schreiben, lesen, Tee trinken (fast schon ein mobiles Kaffeehaus), die raue Schönheit von Plattenbauvierteln bewundern, mich nicht entscheiden können, beim Radfahren laut singen, in Buchläden Wärme suchen, bei einer Runde über das Tempelhofer Feld oder durch den Prater eine aus den Fugen geratene Welt wieder zurechtrücken, zu spät ins Bett gehen.

 

BIO

Geboren 1984 in Dresden. Nach Stationen in England, Ägypten, Laos, Österreich und Äthiopien, lebt sie seit 2020 in Berlin. Studium der Journalistik, Soziologie und der Modernen Nahostwissenschaften in London, Kairo, Oxford.
Preisträgerin beim Bundeswettbewerb Treffen junger Autoren, Lyrik in Fahrt und zeilen.lauf-Wettbewerb 2017. Finalistin des Open Mike 2018, des FM4-Wortlaut 2017 und 2019, sowie des Irseer Pegasus 2020.
Veröffentlichungen in diversen Literaturzeitschriften und Anthologien. Schreibt Prosa, Lyrik und Theaterstücke, und arbeitet derzeit an ihrem ersten Roman.

Blog Entropy, Barbara Rieger, Alain Barbero, Philippe Mari, Café des Auteurs, Bistrot, Café, Paris

Philippe Mari | Le Café des Auteurs, Paris

Foto: Alain Barbero | Text: Philippe Mari | Übersetzung aus dem Französischen: Iris Harlammert & Martine Bernardin

 

Ein Café auf der Suche nach Autoren.

Ende der 90er Jahre war ich an der Gründung des Cafés im „Haus der Autoren“ in der Rue Ballu im 9. Arrondissement von Paris beteiligt. Als Drehbuchautor von TV-Serien und interaktiven Videospielen gehörte ich in dieser Zeit dem „Conseil d´administration de la Société des Auteurs et Compositeurs Dramatiques“ an, diesem renommierten Haus, das 1770 von Beaumarchais gegründet und später von Victor Hugo höchstpersönlich geleitet wurde.

Gerade als Sohn eines Bistrobesitzers hat man mich um eine Stellungnahme zur Organisation eines Cafés gebeten, das gleichzeitig ein gemütlicher Ort der Begegnung und ein geeigneter Arbeitsplatz für die Entwicklung von Projekten in den Bereichen der darstellenden Kunst und des Audiovisuellen sein soll. Ein echtes Café, aber ausschließlich für Autoren. Also brachte ich einige Vorgaben zu Papier, davon ausgehend, dass ein Schriftsteller ein Gast wie jeder andere ist, sobald er sich an einen Tisch gegenüber der Bar hinsetzt, bereit etwas zu verzehren.

Anscheinend war die Wette riskant: am Tag nach der Eröffnung fanden sich die ersten Ankömmlinge, ausgerüstet mit ihren Laptops, verstreut an den Tischen sitzend wieder, wahrhafte Pioniere dessen was sich heutzutage Co-Working nennt, auf ihren Tastaturen klimpernd, sich aus dem Augenwinkel belauernd, mit dem unangenehmen Gefühl in der Filmszene aus „Le Fantôme de la Liberté“ von Bunuel mitzuspielen, in der die Gäste in einem Salon versammelt sind, wo jeder auf einem Toilettensitz Platz genommen hat.

Unter dem Blick von anderen Schriftstellern zu schreiben war damals noch beinah obszön und es hat einige Jahre gebraucht, bis sie ihr literarisches Schamgefühl überwinden konnten.

Wenn es Sie heute danach dürstet, dort an einem Tisch ein paar Zeilen zu schreiben, dann empfehle ich Ihnen zu reservieren.

 


Interview mit dem Autor

Was bedeutet Literatur für dich?
Philippe Mari: Ohne Literatur gibt es keinen Austausch, weder über den individuellen Blick auf die Welt noch über das Erleben jeden Bewusstseins, die zwei Komponenten, die unsere Zugehörigkeit zur Menschheit ausmachen. Die Literatur ist, wie die Mehrheit der höheren Künste, die letzte Bastion des Geistes gegen die künstliche Intelligenz.

Welche Bedeutung haben Kaffeehäuser für dich?
PM: Das Kaffeehaus ist der Lebensmittelpunkt meiner Kindheit. Ich habe dort mehr Zeit in kurzen Hosen bei den Hausaufgaben verbracht, als jetzt als Schriftsteller vor dem leeren Blatt Papier.

Warum hast du das Café im „Haus der Autoren“ ausgewählt?
PM: Dieses Café ist dort vor 20 Jahren entstanden, wo vorher eine leerstehende Polizeistation war. Ich empfinde es als Sieg der Kultur über die Polizei, mit der Notwendigkeit eines Tages zu einem Geständnis zu gelangen.

Was machst du, wenn du nicht im Kaffeehaus bist?
PM: Ich reihe die Stunden aneinander, bis die Zeit gekommen ist, mich an den Tisch, der mich empfängt, zu setzen, damit aus dem unterwegs mit vielversprechenden Eindrücken vollgesaugten Schwamm ein brauchbarer literarischer Saft herausfließt.

 

BIO

Philippe Mari war Drehbuchautor von zahlreichen Videospielen für Konsole und Internet sowie von vielen TV-Serien. Schließlich kam er wieder zurück zum Papier und veröffentlichte Erzählungen wie „Tch tch tchtt“ oder „L´Homme qui ne pouvait pas mourir“ (Der Mann der nicht sterben konnte), derzeit arbeitet er am Roman „La Dame au Taliban“.

Blog Entropy, Barbara Rieger, Alain Barbero, Ally Klein, Einer der Tagen, Café, Berlin

Ally Klein | Einer dieser Tage, Berlin

Foto: Alain Barbero | Text: Ally Klein, Auszug aus „Carter“ (Droschl, 2018)

 

Ein Windzug kam auf, fegte ihr das Gesicht frei, änderte seine Richtung und blies wieder einzelne Strähnen hinein. Haarsträhnen wie feine Linien, feine Striche, Streichungen, eine verwirrte sich in ihrem Mund und verlängerte den Zug bis in die Schläfe, den Haaransatz, schwarz wie die Nacht, wurde unsichtbar zur ihr, nur Dunkelheit statt Kopf.

Carter sah hinauf. „Es wird bald regnen.“

Zu Hause machte ich Eier. Carter aß nichts, sie schenkte lachend den mitgenommenen Whisky in die Schalen ein, wir stießen an und kippten ihn gegen alle Regeln wie Kurze. Die spitzen Ränder stachen beim Trinken leicht in die Lippen. Ich kicherte jedes Mal, weil es kitzelte, mir war leicht. Ich erzählte Carter eine lange Geschichte, ohne dass sie auf etwas hinauslief, sie lächelte sich durch sie und schwieg die meiste Zeit.

 


Kurzinterview mit der Autorin

Was bedeutet Literatur für dich?
Ally Klein: Literatur bietet eine Ansicht der Dinge und gibt eine Einsicht in sie, zu der unsere alltägliche Sprache nicht fähig ist. Es entsteht eine sprachlose, sprachunfähige Unmittelbarkeit, eine stumme Erkenntnis, der wir ausgeliefert sind, an die wir anders mit Worten nicht herankommen, die wir anders verbal nicht ausdrücken können. Es scheint ein Widerspruch zu sein, dass wir mit literarischer Sprache etwas errichten, etwas sehen können, was sich der Sprache eigentlich entzieht.

Welche Bedeutung haben Cafés für dich?
AK: Da denke ich recht praktisch: In Cafés kriegt man im besten Fall guten Kaffee, trifft seine Leute und hat ein gutes Gespräch an einem neutralen Ort. Lesen tue ich da manchmal auch. Aber nie schreiben. Dafür brauche ich absolute Stille, weil ich immer laut vorlesen muss, was ich da fabriziere. Rhythmus und Sprachklang sind für mich das A und O.

Warum hast du das Café „Einer dieser Tage“ in Berlin ausgewählt?
AK: „Einer dieser Tage“ mag ich, weil es ein Nachbarschaftscafé ist, ein Treffpunkt für alle möglichen Leute. Es ist um die Ecke von meiner Wohnung, sie haben guten Kaffee, fantastisches Eis und sehr freundliche Inhaber.

Was machst du, wenn du nicht im Kaffeehaus bist?
AK: Wenn ich nicht im Kaffeehaus sitze, sitze ich auf meinem Fahrrad, das ist die Verlängerung meines Körpers. Ich dachte nicht, dass ich einen Gegenstand so lieben kann. Ich nutze nie öffentlichen Verkehr, aber bin meistens unterwegs. Ich treffe Menschen, lese und bewege mich fort.

 

BIO

Ally Klein, 1984 geboren, studierte Philosophie und Literatur. Sie lebt und arbeitet in Berlin. „Carter“ ist ihre erste literarische Veröffentlichung.

Blog Entropy, Barbara Rieger, Alain Barbero, Claude Ber, Le Cavalier Bleu, Café, Paris

Claude Ber | Le Cavalier Bleu, Paris

Foto: Alain Barbero | Text: Claude Ber, Auszug aus Mues, Ed. PUHR 2020 | Übersetzung aus dem Französischen: Georg Renöckl

 

(…)
Die Café-Terrasse gärt – Fortsatz eines unsteten, zu Ende gehenden Traums.
Die Zeit hat an einem Netz aus Flechten angehalten
einem Vorhängeschloss am Blech einer Autowerkstatt, gelb auch dieses
dem Geräusch eines Flaschenregals und von Kuhglocken.

Man zerreißt ein Stück Papierserviette, einen in der Tasche vergessenen Fahrschein
in den Bewegungen Gründlichkeit
eine unschuldige Weise, sich dem Jetzt anzupassen.
Die Welt kickt Köpfe, mit genagelten Tretern
Füße gehen vorbei in grellbunten Schuhen und scheuchen Schritt für Schritt Spatzen auf.
Der Schwung entsteht aus dem Abdrücken über die große Zehe, nicht aus der Wade oder dem Schenkel. Aus der Zähmung der kleinen.
Dass die Schönheit die Welt retten wird, ist ein Traum von Fantasten, setzt der Papst der Tafelrunde fort. Oder eher die Wette eines Spielers. Gibt es übrigens etwas zu retten?
Falls ja, dann gehört dieses winzige Gestammel
uns.

Man hat den Glauben ans Wort nicht ständig an die Seele gedübelt. Mit Augen und Ohren suche ich nach einem Hinweis darauf. Eine erreichbare Assonanz im Neonrosa des Erdbeereises.
In der Ferne zu suchen bringt nichts, suchen auch nicht. Und da die Welt an den Flachdächern der Sozialbauten zerschellt, richte ich auf ihre türlosen Flure einen neugierigen und desillusionierten Blick.
Wer wird aus der besprayten Höhle kommen?
Plato und seine fleißigen Schüler schlummern vor den Schatten. Ich vor den sonnenbeschienenen Plakaten und ihren Scharaden aus Leuchtflecken. Das Licht eignet sich genauso gut für den Traum wie die Nacht.
(…)

Der Morgen stürzt auf sein Ende zu
angelehnte Dinge – Fenster, Münder, Tore, halbgeöffnete Hände – bleiben stehen
es ist woanders Mitternacht und Mittag knapp über den heruntergelassenen Rolläden
die Höflichkeit würde verlangen, dass man in ähnlicher Weise zu leben verstehe.

 


Kurzinterview mit der Autorin

Was bedeutet Literatur für dich?
Claude Ber: Sie ist untrennbar mit dem Leben verbunden. Das ist meine Weise, auf dieser Welt zu sein.

Was bedeuten Cafés für dich?
CB: Ein Ort der Begegnung und der Beobachtung, der das Vertraute mit dem Unbekannten verbindet. Ich finde dort die Atmosphäre der Samstage meiner Kindheit wieder, im Café, das mein Großvater führte, und wo ich Gesichter und Szenen beobachtete, in ihrer Mischung aus Unerwartetem und Ritual – dem der Stammgäste, des Aperitifs, des Kaffees… ich lege dort einen Vorrat an Eindrücken und Bildern an.

Warum hast du „Le Cavalier Bleu“ gewählt?
CB: Der Cavalier Bleu befindet sich in einem zentralen Viertel von Paris, wo ich regelmäßig Freunde nach einem Stück oder einer meiner Lesungen in der Maison de la Poésie de Paris treffe, oder auch nach dem Besuch einer Ausstellung im Centre Pompidou.
Ich liebe sein reges Treiben wie in einer typischen Pariser Brasserie, wo einander Menschen aller Art begegnen, und seinen Namen Cavalier Bleu (= Der Blaue Reiter), mit allem, was er für mich an Verbindung mit der Malerei und mit Erinnerungen an Deutschland verkörpert. Mehrere Vorstellungswelten kreuzen sich dort. Die Bierkellnerin von Manet trifft die Kandinskys und Bacons aus dem Centre Pompidou, der Geist des Blauen Reiters den belebten und weltstädtischen Alltag des Pariser Lebens…

Was machst du, wenn du nicht in ein Café gehst?
CB: Ich lebe! Ich liebe, ich schreibe, ich lese, spreche, höre zu, reise, besichtige, spaziere, träume, treffe, wandere, esse, schwimme, schlafe, atme, schaue, betrachte usw, usw.

 

BIO

Nach einem Studium der Literatur und Philosophie unterrichtete Claude Ber in der Sekundarstufe und an der Universität. Sie hat vor allem Lyrik veröffentlicht, aber auch Theatertexte, die in französischen Nationaltheatern uraufgeführt wurden. Zahlreiche Artikel, Studien und Zeitschriften wurden ihren in mehrere Sprachen übersetzten Werken gewidmet. Letzte erschienene Bücher:  Il y a des choses que non, La Mort n’est jamais comme (prix international de poésie Ivan Goll) Ed. Bruno Doucey, Mues, Ed. PUHR Site : www.claude-ber.org