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Barbara Rieger | Café Kafka, Wien

Foto: Alain Barbero | Text: Barbara Rieger

 

Ob ich das Café Kafka kenne, fragt A. und ja, ich kenne den Ort, an dem du läufst und läufst und am Ende dort bist, wo du zu Anfang schon warst, wie ein zu großer Käfer hilflos am Rücken und für immer verurteilt ohne zu wissen wofür. Doch die kafkaesken Seiten des Lebens lasse ich hinter mir, bei einem Bier, einem Kaffee und einer Zigarette mit dir. Meine besten Freunde planen ihr häusliches Glück und ich blicke nicht zurück, sondern umher: Eine, die gar nicht so dick ist, hat sich den Magen verkleinern lassen und ein anderer fragt die Mädels am Nebentisch um Hilfe bei seinem Handyprogramm. Einer, der immer da zu sein scheint, sieht mich ausdruckslos an. Ich weiß, dass die Unordnung niemals abnehmen kann.

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Bernhard | Café Schwarzenberg, Wien

Foto: Alain Barbero | Text: Barbara Rieger

 

Seine Welt ist süß
sauber, pur und willig
er ist niemals allein.
 
Probleme reisen weit
fröhlich, rein und blutig
alles ist bereit.
 
Seine Freundin ist ein Cupcake
seine Haare feiern
zuckrig, blond und reich.
 
Sein Anzug gleicht dem Leben
Leben einem Comic
nur in Schwarzweiß ist Rosa grau.

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Hannelore & Anna | Café Frauenhuber, Wien

Foto: Alain Barbero | Text: Barbara Rieger

 

A. ist nervös
er dachte sie kämen vom Land
doch sie wandern durch Berge und Täler
und zelten nicht nur im Bois de Bologne.
Sie stellen die Fragen, wissen und tragen
kennen die Wege
in Wien, Graz und Paris
das Bild einer Bäurin
den toten Teddy am Tisch
den seltenen Blick zurück:
Durchgängig durchgeistigt
am längsten betrieben
und wieder nichts
Lustiges geschrieben.
Er hat keine Chance zu fragen
wer sie in Wirklichkeit sind.

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Lissi & Barbara Rieger | Café Malipop, Wien

Foto: Alain Barbero | Text: Barbara Rieger

 

An jenem Tisch in jenem Dorf in jener Stadt auf jener Insel jener Welt herrscht Arbeit, Liebe, Fieber und ein Bild, in dem das Normale aus dem Fenster fällt, in dem die Nacht den Tag erhellt und sich ein Nein zu jedem Ja gesellt. In diesem Leben dieses Flehen dieses Streben und Vergehen wie eine selbstgemachte Nudel und ein verbrannter Apfelstrudel, der außen kalt und innen heiß um seine Weichheit und sie zu verstecken weiß.

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Lissi | Café Malipop, Wien

Foto: Alain Barbero | Text: Barbara Rieger

 

Frauen der Stadt
fliehen das Dorf
steigen hinab
beim Rhythmus der Nacht
baden nackt
in Kellern der Welt
und tanzen.
Zu Trommeln der Zeit
mit Wien, Havanna, Paris
Pressluftbohrern, Einsamkeit
einer Flucht aus dem Land
Flucht auf das Land.
Sehnen sich nach
einem Bild
das immer
und immer wieder
zerfällt.

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Simone | Café Hawelka, Wien

Foto: Alain Barbero | Text: Barbara Rieger

 

Die Beobachterin –

A. fotografierte sie schon vor Jahren. Sie spielt mit dem Vorhang der Schönheit und tanzt in der Stadt in blauer Tracht. In ihrem Kopf baut sie Märchen aus Tirol und im Wiener Kaffeehaus stellen in immer der gleichen Geschichte Männer in alter Tradition die immer gleichen Fragen, obwohl alle Antworten längst auf Wikipedia zu finden sind. Doch sie sehen sie an und sehen kein Armband, das sagt, sie möchte nur einige Stunden über alte Filme sprechen.

– wird beobachtet.

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Illy | Café Ritter, Wien

Foto: Alain Barbero | Text: Barbara Rieger

 

Du folgst deinen Eltern
Schießt einen Ball gegen die Mauer, die fällt
Rund um die Welt.

Folgst deinen Kindern
Erzählst eine Geschichte
Über Berlin, München und Wien.

Folgst einer Frau
Wirfst eine Frage durch ein halbleeres Café
In einer Stadt, die schweigt.

Wohnst über Büchern
Selbstmordraten, Engeln und Sauberkeit
Wartest …

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Khaled | Café Europa, Wien

Foto: Alain Barbero | Text: Barbara Rieger

 

Er erzählt ihnen die halbe Wahrheit über die Entstehung der Gegenwart. Eine fleißige Studentin schreibt die andere Hälfte mit während A. klickt und klickt. Er denkt nicht über die Zukunft nach, sagt er bei einem kleinen Bier am Nachmittag und sie tritt niemals zu seiner Prüfung an, da sie weiß, dass diese nur eine Schauspielerin aus den 50er Jahren bestehen kann. Er hat sie gelehrt, dass es energieineffizient ist zu philosophieren, besonders über den Geschmack von Chips in Packungen, die außer Reichweite sind und dass Idealisten selten in bequemen Denkerposen zu finden sind.

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Eva | Café Westend, Wien

Foto: Alain Barbero | Text: Barbara Rieger

 

Ein Zug von Paris, ein Zug nach Paris und jemand, der ihr das Gepäck abnimmt. Sie fährt nach Westen und verkleidet sich, verkleidet sich nicht. Sie blickt nach Osten und A. fragt sich, ist es sie oder ich.
Sie oder ich, frage ich dich.
Die Stadt ist ein Dorf, alle hier kennen sich, kennen sich nicht.
Sie fürchten das Ende noch vor dem Anfang, sie tragen Holzfällerhemden, ertragen Hosen aus Leder, vertragen die Übergänge nicht. Sie trinken ein Bier und verlieren den Norden, verlieren ihn nicht. Sie sind zu Hause an einem Ort in Europa, an dem das Innere aus dem Äußeren bricht.

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Jürgen & Barbara Rieger | Café Frame, Wien

 Foto: Alain Barbero | Text: Barbara Rieger

 

Da es regnet hat die Straßenbahn Verspätung und A. vergisst den Namen seiner Station, obwohl doch er der Zugführer ist. Nur ein Tisch ist besetzt, denn die Stammgäste sitzen an der Bar und bedienen sich fast schon selbst. Von außen wirkt es vertraut, doch es ist erst ein Gerüst. Eine Geliebte fällt aus dem Rahmen, denn sie trägt Unterwäsche aus rosa Plüsch und trinkt Schokolade im Dunklen zu Jazz. Von außen sieht man weder sie noch ihre Lingerie und niemand hier weiß, was das eigentlich ist.