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Blog, Wien, Vienne, Café Entropy, Kaffeehaus, Café Jelinek, Cafés viennois, Barbara Rieger, Alain Barbero

Jürgen | Café Jelinek, Wien

Foto: Alain Barbero | Text: Barbara Rieger

 

Sie fragt
nach dem Grund, geblendet
irritiert durch den Klick.
Die Wahrheit ist
nicht interessant.
Aller Anfang
unbekannt.
Jedes Versteck
ein Damm, der irgendwann bricht.
Das Leben
ein Fluss, der über die Ufer tritt.
Sie lächelt
entwaffnet. 

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Martin | Café Stadtbahn, Wien

Foto: Alain Barbero | Text: Barbara Rieger

 

Er denkt an sein Leben, an die Lieben, an die Welt, an einen Mann, der in der Ecke sitzt und trinkt. Er trinkt 21 Biere ohne Glas, ohne Freunde, ohne Spaß. Er trinkt sich blau, er trinkt sich schwarz und nur der Kellner weiß, wer er ist und wie er heißt. Nur einmal stand er plötzlich auf, nahm die Gitarre von der Wand, spielte ein Lied über die Wolken und über Freiheit von den Sorgen. Alle Gäste sangen mit, das Lied ist ihnen wohlbekannt. Und er sieht ihm noch immer nach, obwohl er weiß, er ist verloren.

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Stephanie & Ramin | Café Tirolerhof, Wien

Foto: Alain Barbero | Text: Barbara Rieger

 

Die Menschen die uns nah sind
sind uns unendlich fern
wie ein Kind, ein Kellner, Kaviar
hast du mich gern, unendlich fern
Leichen im Süden und Norden
Lachen, Verzeihen und Morden
Liebe im Osten und Westen
Weinen, Vergessen und Essen
Liebe den Besten
Liebe im Osten und Westen
die Menschen, die uns nah sind.

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Barbara Rieger | Café Kafka, Wien

Foto: Alain Barbero | Text: Barbara Rieger

 

Ob ich das Café Kafka kenne, fragt A. und ja, ich kenne den Ort, an dem du läufst und läufst und am Ende dort bist, wo du zu Anfang schon warst, wie ein zu großer Käfer hilflos am Rücken und für immer verurteilt ohne zu wissen wofür. Doch die kafkaesken Seiten des Lebens lasse ich hinter mir, bei einem Bier, einem Kaffee und einer Zigarette mit dir. Meine besten Freunde planen ihr häusliches Glück und ich blicke nicht zurück, sondern umher: Eine, die gar nicht so dick ist, hat sich den Magen verkleinern lassen und ein anderer fragt die Mädels am Nebentisch um Hilfe bei seinem Handyprogramm. Einer, der immer da zu sein scheint, sieht mich ausdruckslos an. Ich weiß, dass die Unordnung niemals abnehmen kann.

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Bernhard | Café Schwarzenberg, Wien

Foto: Alain Barbero | Text: Barbara Rieger

 

Seine Welt ist süß
sauber, pur und willig
er ist niemals allein.
 
Probleme reisen weit
fröhlich, rein und blutig
alles ist bereit.
 
Seine Freundin ist ein Cupcake
seine Haare feiern
zuckrig, blond und reich.
 
Sein Anzug gleicht dem Leben
Leben einem Comic
nur in Schwarzweiß ist Rosa grau.

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Hannelore & Anna | Café Frauenhuber, Wien

Foto: Alain Barbero | Text: Barbara Rieger

 

A. ist nervös
er dachte sie kämen vom Land
doch sie wandern durch Berge und Täler
und zelten nicht nur im Bois de Bologne.
Sie stellen die Fragen, wissen und tragen
kennen die Wege
in Wien, Graz und Paris
das Bild einer Bäurin
den toten Teddy am Tisch
den seltenen Blick zurück:
Durchgängig durchgeistigt
am längsten betrieben
und wieder nichts
Lustiges geschrieben.
Er hat keine Chance zu fragen
wer sie in Wirklichkeit sind.

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Lissi & Barbara Rieger | Café Malipop, Wien

Foto: Alain Barbero | Text: Barbara Rieger

 

An jenem Tisch in jenem Dorf in jener Stadt auf jener Insel jener Welt herrscht Arbeit, Liebe, Fieber und ein Bild, in dem das Normale aus dem Fenster fällt, in dem die Nacht den Tag erhellt und sich ein Nein zu jedem Ja gesellt. In diesem Leben dieses Flehen dieses Streben und Vergehen wie eine selbstgemachte Nudel und ein verbrannter Apfelstrudel, der außen kalt und innen heiß um seine Weichheit und sie zu verstecken weiß.

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Lissi | Café Malipop, Wien

Foto: Alain Barbero | Text: Barbara Rieger

 

Frauen der Stadt
fliehen das Dorf
steigen hinab
beim Rhythmus der Nacht
baden nackt
in Kellern der Welt
und tanzen.
Zu Trommeln der Zeit
mit Wien, Havanna, Paris
Pressluftbohrern, Einsamkeit
einer Flucht aus dem Land
Flucht auf das Land.
Sehnen sich nach
einem Bild
das immer
und immer wieder
zerfällt.

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Simone | Café Hawelka, Wien

Foto: Alain Barbero | Text: Barbara Rieger

 

Die Beobachterin –

A. fotografierte sie schon vor Jahren. Sie spielt mit dem Vorhang der Schönheit und tanzt in der Stadt in blauer Tracht. In ihrem Kopf baut sie Märchen aus Tirol und im Wiener Kaffeehaus stellen in immer der gleichen Geschichte Männer in alter Tradition die immer gleichen Fragen, obwohl alle Antworten längst auf Wikipedia zu finden sind. Doch sie sehen sie an und sehen kein Armband, das sagt, sie möchte nur einige Stunden über alte Filme sprechen.

– wird beobachtet.

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Illy | Café Ritter, Wien

Foto: Alain Barbero | Text: Barbara Rieger

 

Du folgst deinen Eltern
Schießt einen Ball gegen die Mauer, die fällt
Rund um die Welt.

Folgst deinen Kindern
Erzählst eine Geschichte
Über Berlin, München und Wien.

Folgst einer Frau
Wirfst eine Frage durch ein halbleeres Café
In einer Stadt, die schweigt.

Wohnst über Büchern
Selbstmordraten, Engeln und Sauberkeit
Wartest …